Berlin (dpa) - Im Vorjahr waren es Martin Carr (Boo Radleys) und The Clientele mit starken Alben, davor Robert Forster, Lloyd Cole oder The Lilac Time - allesamt hochverdiente Künstler, die das Hamburger Indie-Label Tapete unter seine Fittiche nahm. Nun bringen Pete Astor und The Monochrome Set dort Neues heraus.

Mitte Februar erschien "One For The Ghost", Astors Tapete-Debüt, mit dem er seine zweite Solo-Karrierehälfte nach "Songbox" (2011) und "Spilt Milk" (2016) produktiv fortsetzt. Der frühere Frontmann von 80er-Jahre-Bands wie The Loft oder The Weather Prophets beweist wieder einmal, dass er ein leider viel zu unbekannter Meister des melodischen Gitarrenpop-Songs im Stil von The Smiths, The Go-Betweens, Orange Juice oder Felt ist.

Wieder erfreuen seine Lieder mit Jingle-Jangle-Charme, schönen Midtempo-Harmonien und der reifen, immer noch stoisch gelassenen Stimme des mittlerweile 57-jährigen Engländers Astor. Geholfen hat ihm Gitarrist James Hoare, der mit seinen Bands Ultimate Painting oder Proper Ornaments ein ähnliches Soundkonzept verfolgt. Außerdem greift Astor auf Kollegen der Kultband The Wave Pictures zurück. Wer also mit tiefenentspannten Songs wie "Golden Boy", "Only Child" oder "You Better Dream" den Frühling hereinlassen will - bitte sehr, es gibt schlechtere Ideen.

Wenn man sich durch das hässliche Cover des neuen Albums von The Monochrome Set nicht abschrecken lässt, wird man auch hier mit richtig gutem Indiepop belohnt. Bereits vor 40 Jahren in der Postpunk-Bewegung gegründet, hat diese Band nach langen Pausen und mehreren Reunions seit einigen Jahren bei den Hamburger Indiepop-Connaisseuren eine gute Heimat gefunden. "Maisieworld" ist nach "Spaces Everywhere" (2015) und "Cosmonaut" (2016) schon das dritte Tapete-Album dieser nun wieder sehr fleißigen Truppe.

Auch die zehn intelligenten, üppig arrangierten Artpop-Songs dieser neuen Monochrome-Set-Platte liegen wieder irgendwo zwischen The Kinks, The Smiths und Blur. Tracks wie "Cyber Son", "Don't Wear That Look", "Mrs Robot" oder das besonders tolle Britpop-Juwel "Silence Is Rusty" lassen erkennen, warum die Band berühmte Bewunderer wie Morrissey, Edwyn Collins, Franz Ferdinand oder Neil Hannon (The Divine Comedy) hat.

Wie Pete Astor ist das Londoner Quartett um den schrägen Sänger Bid in Würde gealtert. Und Tapete kann sich über seine ungewöhnliche Label-Politik völlig zu Recht die Hände reiben.

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