Berlin (dpa) - Die Rechnung klingt simpel: Jazz und Elektronik aus Norwegen/Finnland plus Reggae und Dub aus Jamaika gleich "Nordub". So der Titel eines neuen Albums, das die wohl ungewöhnlichste Stilmixtur seit langem enthält.

Ganz so einfach ist die Rechnung natürlich doch nicht. Denn wenn moderner Trompeten- und Elektro-Jazz mit Riddims aus der Karibik gepaart werden, kann auch etwas ganz Fürchterliches herauskommen. "Nordub" (Okeh/Sony) scheint indes im Pop- oder Dancefloor-Himmel erdacht worden zu sein.

Denn hier sind absolute Könner und Kenner am Werk: Sly & Robbie, das geniale Reggae- und Dub-Gespann der 70er und 80er an Schlagzeug und Bass; der für seine sphärisch-elegischen Sounds bekannt gewordene norwegische Trompeter, Komponist und Produzent Nils Petter Molvaer; sein Landsmann Eivind Aarset an Gitarre und Electronics; schließlich der finnische Elektronik-Pionier und Percussionist Sasu Ripatti, besser bekannt als Vladislav Delay.

Zunächst mal fasziniert natürlich das gewaltige Rhythmus-Monster, als das Sly Dunbar und Robbie Shakespeare hier wieder einmal auftauchen. Es gab Zeiten, da fehlten die Mitbegründer der legendären Black Uhuru auf kaum einer geschmackvollen, wuchtigen Produktion als stilprägende Gäste, man denke nur an die besten Alben von Grace Jones, Joe Cocker, Sting oder Robert Palmer.

Auf "Nordub" bekommen sie großen Raum für ihre Grooves. Aber das wäre alles nur halb so spannend, wenn die Skandinavier dazu nicht so herrlich atmosphärische Klänge inklusive jazziger Improvisation, Ambient und Noise beisteuern würden.

Besonders Molvaer läuft mit seiner Trompete zur Höchstform auf. Er habe die Reggae-Heroen 2015 bei einem Festival in einem kleinen südfranzösischen Dorf getroffen, erinnert er sich. "Sly & Robbie sind so freundliche und entspannte Typen und echte Meister ihres Fachs", sagt der Norweger. "Wir haben eine Woche geprobt und sind auf Tour gegangen."

Es war der Anfang einer zunächst seltsam wirkenden musikalischen Verbindung - und des "Nordub"-Projekts. Aarset und Delay kamen später hinzu. Die zehn Tracks des Albums entstanden letztlich auf einer gemeinsamen Konzertreise der fünf so unterschiedlichen Musiker im Jahr 2016. Sie werden womöglich manche Jazz-Puristen irritieren - für Leute mit offenen Ohren ergeben sich indes völlig neue Sound-Erfahrungen. Ein Fusion- und Chillout-Meisterwerk.

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