Buxtehude (dpa) - Es war das Jahr des Michael Schulte: Nicht nur, dass er 2018 überraschend einen guten vierten Platz beim Eurovision Song Contest (ESC) für Deutschland holte. Bei der Bambi-Verleihung bekam der Wahl-Buxtehuder den Publikumspreis in der Kategorie "Neue Deutsche Musikstars", er heiratete und wurde erstmals Vater.

"Das waren alles ganze besondere und außergewöhnliche Highlights", sagt der 29-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

2019 verlief bisher etwas ruhiger. "Beide Jahre kann man zwar nicht miteinander vergleichen, aber ich habe das Gefühl, dass ich dieses Jahr musikalisch noch mehr nach vorne gekommen bin als 2018." Das liegt auch daran, dass der Singer-Songwriter sich neben seinen vielen Auftritten und seinem Familienleben Zeit nahm, jede Menge Lieder zu schreiben.

Das Ergebnis ist sein siebtes Album "Highs & Lows". Herausgekommen sind erneut sehr persönliche Songs. Seine emotionale ESC-Ballade "You Let Me Walk Alone" hatte er noch seinem verstorbenen Vater gewidmet. Nun ist er selbst Papa und schrieb "Never Let You Down" für seinen Sohn Luis.

Und doch sind die aktuellen Lieder etwas anders als die vorherigen: reifer, mit mehr Tempo. "Früher war einfach mehr Herzschmerz in meinem Leben", sagt der Künstler. "Für mich ist Songwriting eben auch eine Form der Selbsttherapie. Dieses Mal hatte ich Lust auf schnellere, euphorischere Songs."

Die neue Richtung kommt gut an. Die bereits veröffentlichte Single-Auskopplung "Back To The Start" hat mehr als 10 Millionen Aufrufe bei YouTube und über 26 Millionen bei Spotify. "Für viele war ich einfach der ESC-Sänger. Mit 'Back To The Start' haben die Leute gecheckt: Der macht ja wirklich gute Musik."

Schulte erinnert sich in dem Stück an die Unbeschwertheit seiner Kindheit. Die verbrachte Schulte mit zwei Geschwistern in einem Dorf nahe der dänischen Grenze, in Dollerup bei Flensburg. Sein Vater starb, als er 14 war. Als einziger in der Familie wurde er Musiker, bereits als Jugendlicher veröffentlichte er auf YouTube Videos mit Coverversionen von Hits.

"Ich bin sehr bodenständig aufgewachsen", betont Schulte. Auch deshalb blieb er trotz des Erfolgs der norddeutschen Provinz treu, seit gut zwei Jahren wohnt er in Buxtehude. Ehefrau Katharina kommt von dort. Nach der Geburt von Sohn Luis zog die Familie raus aus der Altstadt. "Meine Frau und ich sind beide Dorfkinder und Fans davon, dass unser Sohn auf dem Land aufwächst."

Allerdings ist Schulte auch viel unterwegs, im März 2020 startet seine "Highs & Lows"-Tour - die bisher größte. Zeitweise will er seine Frau und seinen Sohn mitnehmen. "Wir wollen ausprobieren, ob das mit dem Kleinen im Nightliner funktioniert." Schultes Vorbild - sowohl musikalisch als auch privat - ist der irische Sänger Rea Garvey. "Er ist ein sympathischer Typ, der nicht abgehoben ist", sagt Schulte. "Und er hat seine Karriere gut mit Familie gemeistert." Er selbst merke nun, dass dies keine einfache Aufgabe sei.

Kurz bevor Schultes Vater starb, hörte die Familie viel Reamonn, deren Frontmann Garvey war. Für seine YouTube-Videos coverte Michael Schulte später auch diese Songs. Garvey wurde darauf aufmerksam und fragte Schulte, ob er mit ihm zusammen bei der "Kieler Woche" auf der Bühne stehen wolle. "Dass ausgerechnet sich Rea Garvey bei mir meldet, das ist schon Schicksal", ist Schulte überzeugt.

Wiedergesehen haben sich beide 2012 bei der Castingshow "The Voice of Germany", wo Garvey als Juror tätig war. Schulte belegte dort den dritten Platz - und traf auf den Kandidaten Max Giesinger ("80 Millionen"), mit dem er noch heute befreundet ist. "Es ist schön, dass wir es beide geschafft haben", sagt Schulte.

Dass der Erfolg eines Tages auch ausbleiben kann, ist ihm durchaus bewusst. "Ich weiß, dass es in ein bis zwei Jahren auch wieder vorbei sein kann." Solange aber will Michael Schulte die Erfolgswelle genießen - wenn auch in Maßen: "Ich bin nicht der Typ, der die große Show macht."

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