London (dpa) - "Man Alive!" hat King Krule sein neues Album genannt. Die Botschaft: Hier spricht, singt und spielt ein Überlebender. Einer, der auch die Tiefen des Lebens kennt.

Denn während das Ron-Weasley-Lookalike aus Peckham in Südlondon mit der markanten Stimme Kritiker das Staunen lehrte - das Vorgängeralbum "King Ooz" wurde vom "Rolling Stone" zum Album des Jahres 2017 gekürt - litt er privat unter Depressionen, wie er Medien sagte. Dem 25-Jährigen, der auch schon unter den Namen Zoo Kid und Edgar the Beatmaker auftrat und veröffentlichte, geht es heute besser.

Neue Richtung hat ihm nach eigenen Angaben die Geburt seines Kindes gegeben, außerdem der Umzug aufs Land, wie er dem Deutschlandfunk sagte. Vater zu werden lehrte ihn, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, wie es bei "Byte.fm" heißt: Den Tag nicht mehr wartend zu verbringen, dass die Freunde von der Arbeit kommen, um in den Pub zu gehen. "Es wurde ein bisschen zur Gewohnheit", sagt er dazu laut Albumanschreiben. Viele Songs entstanden in dieser exzessiven Zeit.

Musikalisch verfolgt Archy Marshall seine Mission weiter: Schon das Debüt "6 Feet Beneath The Moon", das an seinem 19. Geburtstag erschien, vereinte Dark- und New Wave, Hip-Hop, Dub- und Jazz-Einflüsse zu einer ganz eigenen musikalischen Handschrift. Auf "Man Alive!" entwickelt das Kompositionstalent diese Handschrift weiter - und das klingt auf Anhieb verdächtig nach einem Klassiker.

Anders als so viele Künstler derzeit bleibt Marshall ganz bei sich, kommt ohne große Posen aus, ohne Zeigefinger und Polit-Statement: Die Absicht, "schwarz-weiß" über die Dinge zu reden, die in der Gesellschaft passieren, habe ihn abgetörnt, erklärt er. Das Ergebnis ist ein Stück weit musikalischer Impressionismus: Oft geht es um Schnappschüsse, Momentaufnahmen, Alltagssituationen - und um die Gefühle, die sich dabei einstellen. King Krule dabei zu folgen, ist eine Freude.