Wien (dpa) - Die Debatten zum Klimawandel haben in den letzten Monaten gezeigt: Die Welt wie wir sie kennen war vielleicht noch nie in so großer Gefahr. "Es steht um die Welt nicht schlecht, es steht schlecht um die Menschheit", sagt Rainhard Fendrich.

Der österreichische Musiker ist ein Mann des klaren Wortes, auch Unliebsames behält er nicht für sich - weder in seinen Liedern, noch im persönlichen Gespräch. Auch die Texte auf seinem neuen Album "Starkregen" bedürfen keiner kniffligen Entschlüsselung. Fendrich klagt an, kritisiert - und besingt zum Ausgleich auch noch die Liebe und das Leben.

Die Leichtigkeit aus alten Hits wie "Macho Macho" hat der 64-Jährige dabei eindeutig hinter sich gelassen. Das war schon auf seinem Studioalbum aus dem Jahr 2016 ("Schwarzoderweiss") so, Fendrich geht diesen Weg also mit eher ernsten Themen nur konsequent weiter.

"Ich sehe mich durchaus als politischer Mensch. Das sollte eigentlich kein besonderes Attribut sein. Wer sich für die Politik nicht interessiert, darf sich nicht wundern, wenn es aus dem Ruder läuft", sagt Fendrich. Dass schon einiges aus dem Ruder gelaufen ist, scheint für den 64-Jährigen sicher zu sein. In seinem neuen Lied "Die Welt ist gross" etwa klingt das dann so: "A schwere Krankheit hat die Welt befalln/ und die Krankheit san wir/ doch es könntert sei die Krankheit geht vorbei."

Sein inzwischen 18. Studioalbum beginnt aber ausgerechnet mit einem der schwächeren der insgesamt 13 Songs. In "Burn out" besingt Fendrich Anti-Stress-Maßnahmen gegen die titelgebende Erschöpfung. Mit dem Sound passt der Titel eindeutig in die Kategorie Lounge-Musik, die vielen Beats aus dem Computer stehen Fendrich nicht gut zu Gesicht. Umso besser, dass das Album danach mehr Fahrt aufnimmt und den Zuhörern das bringt, was man von dem österreichischen Liedermacher erwartet: pointierte Texte, den angenehmen Sound von Gitarre, Klavier und Schlagzeug - und natürlich den unverkennbaren österreichischen Einschlag in der Sprache.

Inhaltlich nimmt sich Fendrich auf "Starkregen" ein breites Spektrum vor: Er kritisierte die Politik für viel "Heiße Luft", besingt mit Humor die Abhängigkeit von den Sozialen Netzwerken ("Social Media Zombie") und nimmt sich in "Der Rest von dein' Gewissen" gierige Manager und Banker vor. Aber: Insgesamt kommt das Album nicht als große, niederschmetternde Abrechnung daher. Dafür sorgen der Sound, der in einigen Fällen über die Dramatik und die harte Gesellschaftskritik in den Texten hinwegträgt, viel Humor ("I steh gern im Stau") und das Lieblingsthema der meisten Musiker, die Liebe ("Nur die Liebe").

"Für mich ist jedes Lied eine eigene, geschlossene Geschichte, die nicht in einer Perlenreihe steht", sagt Fendrich. "Jedes Lied ist alleinstehend für sich." Daher habe er sich auch nicht dazu entschlossen, das Album nach einem der 13 Songs zu benennen. Der Titel "Starkregen" sei letztlich das Ergebnis eines Übersetzungsprogramms, das seinen Vornamen in die englischen Wörter rain und hard aufteilte - und daraus "Starkregen" machte.

Mit den neuen Songs auf Tour gehen wird Fendrich ab Mai 2020, bisher sind 16 Konzerte in Deutschland geplant, hinzu kommen 7 weitere in Österreich und eines in der Schweiz. Fendrich macht mit seinen 64 Jahren einen sehr fitten Eindruck, an ein Karriereende verschwendet er noch keine Gedanken. Er vergleiche eine Karriere immer mit einem dreibeinigen Schemel. Die Beine stehen dabei für das Publikum, die körperliche Fitness und die neuen Ideen. Solange keines davon fehle, "werde ich wahrscheinlich das, was ich tue, weiter tun."

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Termine für die Tour "Starkregen live"