Berlin (dpa) - Schon seit fast 30 Jahren gibt es die wunderliche, wunderbare US-Band The Mountain Goats um den Songwriter John Darnielle. Doch von Ermüdungserscheinungen findet sich auch auf dem neuesten Album keine Spur.

Im Gegenteil: "In League With Dragons" (Merge/Cargo) dürfte eines der besten Werke dieser verdienten Indierocker sein. So hauchzart gewoben sind die Arrangements, so elegant zwischen Gitarrenpop, Jazz, Folk- und Countryrock balancieren die zwölf Songs - hier vergehen knapp 50 LP-Minuten wie im Flug.

Zumal Darnielles früher oft knarziger, bisweilen auch windschiefer Gesang so viel liebenswerten Charme entwickelt wie selten zuvor. Im abschließenden "Sicilian Crest" darf das Quartett aus North Carolina sogar Christopher Cross mit der 70er-Jahre-Schnulze "Ride Like The Wind" zitieren, ohne damit auf die Nase zu fallen.

Thematisch haben sich die Bergziegen (wie zuletzt schon mehrfach seit ihrem Wechsel zum Indie-Toplabel Merge vor knapp zehn Jahren) etwas Besonderes ausgedacht: Ging es früher in den Texten ihrer Konzeptalben um Profi-Wrestler ("Beat The Champ", 2015) oder um eine bizarre Jugend mit britischer Gothic-Rockmusik ("Goths", 2017), so versetzen sie sich und ihre Hörer diesmal in eine Fantasiewelt mit Drachen, Zauberern und anderen Helden.

Vielleicht hilft es ja in Zeiten weltweiter Begeisterung für die TV-Serie "Game Of Thrones". "Das Album nahm Gestalt an als Rockoper über eine belagerte Küstenstadt namens Riversend, die von einem guten Zauberer regiert wird", erzählt Darnielle über die Idee zur neuen Platte.

"Ich hoffe ernsthaft, dass aus der Arbeit von fast zwei Jahren an diesen Liedern ein neues Genre "Dragon noir" entsteht. Falls nicht, bin ich aber auch damit zufrieden, wenn es das einzige Stilbeispiel bleibt", fügt der Frontmann augenzwinkernd hinzu.

Aufgenommen wurde "In League With Dragons" unter der Regie von Produzent Matt Ross-Spang (Jason Isbell, John Prine) in den Blackbird-Studios von Nashville. Die Band bestand diesmal neben dem Gründer, Sänger und Gitarristen Darnielle aus Drummer Jon Wurster, Bassist Peter Hughes sowie Multiinstrumentalist Matt Douglas.

Ganz egal, ob dieses feine Album nun tatsächlich ein neues Genre begründet und den Mountain Goats ihren längst verdienten Ruhm bringt - es wird zumindest als eines der reifsten und beglückendsten in diese besondere Bandgeschichte eingehen.

Website The Mountain Goats