Berlin (dpa) - Biederer Bandname, schauderhaftes Albumcover: The Texas Gentlemen tun zunächst mal alles dafür, dass man ihre Musik nicht unbedingt gern zur Kenntnis nimmt. Lässt man sich dann aber doch auf "Floor It!!!" (New West/Pias/Rough Trade) ein, erlebt man eine dicke Überraschung.

Denn schon nach dem instrumental hereinstolpernden Opener "Veal Cutlass", der klingt wie direkt aus einem Comicfilm-Soundtrack entnommen, geht die Southern-Rock-Post ordentlich ab. "Bare Maximum" ist drei Minuten purer Spaß wie auf frühen Allman-Brothers-Platten, mit einer herzhaften Funky-Gitarre, quirligen Bassläufen und fettem Gebläse.

Mit "Ain't Nothing New" beweisen die texanischen Gentlemänner dann erstmals auch Gesangsqualitäten und wildern virtuos im Jazz-Funk-Revier von Steely Dan circa "The Royal Scam" (1976) herum. "Train To Avesta" ist eine Art Midtempo-Ballade à la Leon Russell, die mehrfach die Richtung wechselt und - von Streichern und Klimper-Piano ausgepolstert - doch immer wieder freundlich ins Ohr flutscht.

"Last Call" bietet sechs Minuten puren, verspielten Art-Pop inklusive Dylan-Zitat im Beatles- oder 10cc-Modus. Mit fünf Songs ist jetzt noch nicht einmal die Hälfte dieses fabelhaften Albums 'rum. Und der flotte Ritt durch Sixties-Pop, Seventies-Prog, Soul, Jazz und Funk, Südstaaten-Boogie und Country-Gospel wie bei Little Feat oder The Band - er geht immer weiter. Es bleibt bis zum 13. Track (der sich zu guter Letzt noch beim Glam von T. Rex bedient) so gut - versprochen!

Produziert und aufgenommen wurden The Texas Gentlemen - im Kern Nik Lee, Daniel Creamer, Ryan Ake, Scott Edgar Lee und Aaron Haynes - von Matt Pence (Jason Isbell, Midlake) in den legendären Fame Studios in Muscle Shoals/Alabama sowie - na klar! - in Texas. "Floor It!!!"" ist der Nachfolger des Debüts "TX Jelly" von 2017. Zunächst wollte diese geniale Stilmix-Truppe nur als Backingband auftreten - es wäre jammerschade gewesen, hätte man ihre eigenen Songs nicht gehört.

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Website The Texas Gentlemen