Magdeburgerin im Beirat der Bundesregierung

Svetlana Oster gehört dem Beirat der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer (CDU), an. Der Beirat besteht aus der Vorsitzenden und bis zu 32 berufenen Mitgliedern. Vertreten sind Migrantenorganisationen, gesellschaftliche Institutionen, Kirchen und Wissenschaft.

Der Rat will Impulse für die Intergration in Deutschland geben und damit den inneren Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken. Beschlüsse und Handlungsempfehlungen beziehen sich im Wesentlichen auf folgende Bereiche:

- Heimat und Identität
- Soziale Teilhabe
- Flüchtlinge und Illegale
- Dimensionen der Integrationsförderung
- Zuwanderung und Integration
- Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit

Die Pädagogin Svetlana Oster ist ehrenamtliche Integrationsbeauftragte in Magdeburg. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um das Hellersdorfer Flüchtlingsheim sprach Steffen Honig mit der gebürtigen Russlanddeutschen.

Volksstimme: Wie steht es Ihrer Meinung nach um die viel beschworene Willkommenskultur in Deutschland?

Svetlana Oster: Es wird viel geredet. Aber ich bin froh, dass man darüber redet. Vor einigen Jahren war es noch ganz anders, da wurde nicht mal über Willkommenskultur gesprochen. Es hat sich da wirklich etwas getan. Leider können wir noch nicht die Früchte dieser Bemühungen in dem Maß ernten, wie es wünschenswert wäre. Wenn sich bei mir Migranten darüber beschweren, wie beispielsweise bei Behörden mit ihnen umgegangen wird, sage ich: Eine Person hat so gehandelt und nicht die Deutschen an sich.

Volksstimme:Die Proteste von Anwohnern und Rechtsextremen gegen das neu eingerichtete Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf bewegen die gesamte Republik. Wären solche Aktionen auch in Sachsen-Anhalt möglich?

Oster: Ich denke ja, aber nicht so krass wie in Berlin. Ich kann die Menschen in Hellersdorf bei manchen Ängsten durchaus verstehen. Wenn ich als Frau und Europäerin nachts um zwölf auf eine Gruppe Männer mit anderer Hautfarbe treffen würde, hätte ich vielleicht auch Befürchtungen ...

"Wir sind in bestimmten Stereotypen gefangen."

Es sind doch bestimmte Stereotypen, in denen wir gefangen sind. Wieso muss aber eine andere Hautfarbe ein rotes Tuch für uns sein? Solange wir so denken, wird sich nichts zum Guten ändern. Die Stereotypen müssen Schritt für Schritt aufgebrochen werden. Es gibt allerdings zwischen Berlin und Sachsen-Anhalt Unterschiede. In Magdeburg beispielsweise hat sich in den vergangenen Jahren vieles in Richtung mehr Verständnis füreinander bewegt. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen, die dem besseren Kennenlernen dienen.

Volksstimme: In Bitterfeld aber sind Asylbewerber in den Hungerstreik getreten. Nicht weil sie sich von Deutschen bedroht fühlen, sondern um gegen die Zustände in ihrem Heim zu protestieren.

Oster: Die Unterbringung der Asylbewerber bedeutet neben allen anderen Aufgaben einen zusätzlichen Aufwand für die Kommunen. Es muss die Unterkunft bereitgestellt werden, dazu Essen, Wasser, Strom, Heizung. Und je mehr Flüchtlinge untergebracht werden müssen, desto größer der Aufwand. Das alles schafft Probleme.

"Flüchtlinge brauchen Eingewöhnungszeit."

Volksstimme: Wäre es nicht besser, auf große Heime zu verzichten und auf Wohngemeinschaften oder Wohnungen für Flüchtlinge umzusteigen?

Oster: Ja und nein. Manche Flüchtlinge aus ländlichen Regionen können nicht einmal einen Elektroherd bedienen. Sie brauchen eine Eingewöhnungszeit, um Tagesablauf, Kultur und Sprache kennenzulernen. Dann ist auch eine Wohnung sinnvoll. Aber die betreffenden Personen müssen auch damit klarkommen, selbständig zu wohnen.

Volksstimme: Viele Asylbewerber würden gern arbeiten, um nicht von staatlichen Almosen abhängig zu sein. Sie dürfen es aber nicht. Was halten Sie von Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge?

Oster: Der Gesetzgeber hat sicher seine Gründe für das Arbeitsverbot, aber ein Mensch muss sich doch beschäftigen und arbeiten können. Wer nur herumsitzt, kann ganz schnell auf dumme Gedanken kommen. Die Flüchtlinge haben keinen sozialen Kontakte - sie landen auf der Straße. Und da die Warenwelt in Deutschland Begehrlichkeiten weckt, kann man rasch in die Kriminalität abrutschen. Arbeit wäre eine wunderbare Integration.

Volksstimme: Deutschland will 5000 syrische Kriegsflüchtlinge aufnehmen, 150 davon werden nach Sachsen-Anhalt kommen. Eine richtige Aktion?

Oster: Wenn ich nur die Kinder sehe, ist eigentlich alles gesagt. Ich bin selbst Mutter und schon aus diesem Grund sehr für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien. Kinder können noch nichts für sich entscheiden und sind dabei in einem Alter, das fürs Leben prägt. Sie brauchen also dringend unsere Hilfe.