Le Vernet (dpa) l Genau vier Monate nach der Germanwings-Katastrophe reisen Angehörige der Opfer in dieser Woche erneut in die Absturzregion in den französischen Alpen. Bei einer Trauerfeier im kleinen Ort Le Vernet sollen am Freitag (24. Juli) Leichenteile, die nicht identifiziert werden konnten, in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt werden.

"Mit der gemeinsamen Trauerfeier für alle Angehörigen und Beisetzung der anonymen sterblichen Überreste kann das Abschiednehmen zu einem Abschluss kommen", sagte der Beauftragte der Bundesregierung, Steffen Rudolph, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Unabänderlichkeit des Geschehenen wird noch einmal deutlich. Schmerz und Trauer werden bleiben."

Nach Angaben der Präfektur von Digne-les-bains werden am Freitagnachmittag an der nach dem Absturz aufgestellten Gedenkstele Kränze niedergelegt, dort soll auch eine religionsübergreifende Trauerfeier stattfinden. Zudem ist eine Andacht auf dem Friedhof geplant. Ein Sprecher der Germanwings-Mutter Lufthansa sagte, das Unternehmen finanziere die Reisen der Angehörigen und werde mit Vertretern des Managements an der Trauerfeier teilnehmen.

Der Copilot Andreas Lubitz des Flugs von Barcelona nach Düsseldorf hatte den Airbus nach Überzeugung der Ermittler am 24. März absichtlich gegen einen Berg gelenkt. Alle 150 Menschen an Bord starben. Die meisten Opfer stammten aus Deutschland.

Nach Angaben Rudolphs, der auch selbst an der Trauerfeier teilnehmen wird, sind die identifizierten Überreste der Toten inzwischen fast alle zurückgebracht worden. Die einzige Ausnahme gehe auf den Wunsch von Angehörigen zurück. Trotzdem sind für die Hinterbliebenen noch Fragen offen: So warteten sie noch auf die Rückgabe der persönlichen Gegenstände der Opfer, die am Absturzort gefunden wurden, erläuterte Rudolph. Diese würden zurzeit katalogisiert.

In Marseille läuft zudem noch ein Verfahren gegen unbekannt wegen fahrlässiger Tötung - drei Ermittlungsrichter sollen die Verantwortlichkeit für den Absturz klären.

Die Trauerfeier steht auch unter dem Eindruck des öffentlichen Streits um das Verhalten der Lufthansa und die Höhe des Schmerzensgelds für die Angehörigen. In den vergangenen Tagen hatten Anwälte das bisherige Angebot des Konzerns als zu niedrig zurückgewiesen. In einem offenen Brief verlangten Hinterbliebene zudem eine Entschuldigung des Unternehmens.