Berlin (epd) l Die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland nehmen weiter zu. Allein im ersten Halbjahr 2015 habe es rund 150 Straftaten gegen Asylunterkünfte gegeben, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes für 2014 am Dienstag in Berlin. Im vergangenen Jahr waren es 170 Angriffe, 2013 noch 55.

Aggressivität im Osten


Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist um rund 24 Prozent auf 990 gestiegen. Die Zahl fremdenfeindlicher Gewalttaten erreichte mit 512 einen Höchststand seit Einführung der Zählweise im Jahr 2001. Das Personenpotenzial entwickelte sich leicht rückläufig, von 21 700 im Jahr 2013 auf 21 000 im vergangenen Jahr. "Dennoch kein Grund zur Entwarnung", betonte de Maizière. Die Bereitschaft zu Gewalt und Militanz in der Szene sei unverändert hoch. Jeder zweite Rechtsextremist sei gewaltorientiert, sagte er.

Man könne nicht leugnen, dass "eine gewisse Aggressivität" in den ostdeutschen Ländern höher sei als in westdeutschen, sagte de Maizière mit Blick auf Freital, wo seit rund einer Woche "Pegida"-Sympathisanten gegen eine Flüchtlingsunterkunft demonstrieren, und seinen Wahlkreis Meißen, wo am Wochenende eine bezugsfertige Asylunterkunft in Brand gesteckt wurde.

Linksextremismus geht leicht zurück


Als weitere große Herausforderung nannte de Maizière den Islamismus. Laut Bericht ist die Zahl der Salafisten 2014 auf 7000 gestiegen. Im Jahr zuvor ging der Verfassungsschutz von 5500, 2012 von 4500 Anhängern aus.

Im Bereich Linksextremismus lag die Zahl der Gewalttaten den Angaben des Verfassungsschutzes zufolge bei 995 und ist damit gesunken (2013: 1110). Das Personenpotenzial ging leicht um 500 auf 27 200 zurück.