Pralinen, Schoko-Nikoläuse oder eine heiße Schokolade: Auch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit freuten sich viele Kinder und Erwachsene auf die süßen Naschereien. Im vergangenen Jahr konsumierte laut Süßwarenindustrie jeder Deutsche rund neun Kilogramm Schokolade. Dass der Kakao aus Entwicklungsländern stammt, die häufig politisch instabil sind, ist weniger im Blick. Industrie und Verbraucher sorgen sich hierzulande eher um steigende Preise. Entwicklungsexperten beklagen indes, dass der süße Genuss häufig durch Kinderarbeit bei den Produzenten ermöglicht wird.

Rund 70 Prozent des weltweit benötigten Kakaos kommen aus Westafrika. Allein in Ghana und der Elfenbeinküste arbeiten nach Angaben des entwicklungspolitischen Instituts Südwind in Siegburg insgesamt mehr als 500 000 Kinder auf Kakaoplantagen unter Bedingungen, die gegen Gesetze und internationale Konventionen verstoßen. Südwind-Wissenschaftler Friedel Hütz-Adams kritisiert vor allem, dass Kinder etwa aus Burkina Faso und Mali an Plantagenbesitzer in den Anbaugebieten verkauft würden.

Zwar unterzeichneten 2001 Vertreter der Schokoladen- und Kakaohersteller das "Harkin-Engel-Protokoll". Darin verpflichten sie sich, die schlimmsten Formen von Kinderarbeit zu beenden. In seiner neuen Studie "Menschenrechte im Anbau von Kakao" kommt Hütz-Adams aber zu dem Schluss, dass die Unternehmen davon noch weit entfernt seien.

Größter Kakaoproduzent ist die Elfenbeinküste. In der letzten Erntesaison wurden dort laut Hütz-Adams 1,2 Millionen Tonnen Kakao produziert, mehr als ein Drittel der Weltproduktion. Der derzeitige Machtkampf ums Präsidentenamt in dem 20-Millionen-Einwohner-Land hat eine Diskussion über mögliche Engpässe bei der Kakaoproduktion und höhere Preise ausgelöst.

Doch selbst wenn Häfen blockiert würden, seien ein völliger Exportstopp und ein Kakaoengpass unwahrscheinlich, sagt Historiker Hütz-Adams. "Selbst während des Bürgerkriegs vor einigen Jahren ist der Export kaum gesunken." Sowohl die Regierung als auch die Rebellen hätten sich bei dem Konflikt in den Jahren 2002 und 2003 über die Kakao-Ausfuhren finanziert.

Die Rohpreise für Kakao liegen zurzeit bei umgerechnet 2300 Euro pro Tonne. Anfang Dezember waren es noch knapp 2400 Euro, zwischenzeitlich auch einmal nur 2250 Euro. Für den Geschäftsführer der Organisation TransFair in Köln, Dieter Overath, ist eine unsichere politische Situation zwar ein Risikofaktor. Größere Auswirkungen auf die Preise habe jedoch die Spekulation mit Kakao an den Börsen, sagt der Chef der Organisation, die ein Siegel für fairen Handel vergibt. "Unabhängig von Angebot und Nachfrage wurden Preise in die Höhe getrieben."

Ein Hauptgrund für Kinderarbeit ist nach Hütz-Adams Worten, dass die Kleinbauern zu wenig verdienen. Weil ihnen das Geld fehle, um Aushilfskräfte einzustellen, müssten sie ihre Kinder arbeiten lassen. Daher sei ein Verbot von Kinderarbeit allein keine Lösung, meint Overath. Vor allem müssten die Kleinbauern mehr Geld bekommen.

Unternehmen sollten auf zertifizierten Rohkakao zurückgreifen, fordert der Entwicklungsexperte. Bei fair gehandeltem Kakao erhalten die Kleinbauern nach seinen Worten einen festen Lohn, mit dem sie ihre Familie ernähren können. Außerdem schließe eine Zertifizierung Kinderarbeit aus. Die Schoko-Industrie habe bisher zu sehr an den eigenen Profit gedacht, rügt der TransFair-Geschäftsführer. Die westliche Kakao-Industrie müsse vielmehr aktiv gegen Kinderarbeit in den Produzentenländern vorgehen und dürfe die Verantwortung nicht nur auf die Lieferanten übertragen. (epd)