Streng, schlagfertig und mit Humor hat Heiner Geißler die Schlichtung im Konflikt um Stuttgart 21 zum unterhaltsamen und informativen Ereignis gemacht. Der 80-Jährige hat sein " Demokratieexperiment " mit großer Souveränität geleitet. Vergessen ist die Panne zu Beginn, als er einen Baustopp für das Milliarden-Bahnprojekt ankündigte, der von Ministerpräsident Stefan Mappus ( CDU ) umgehend dementiert wurde.

Geißler wurde von den Grünen vorgeschlagen und von Mappus berufen. Der CDUMann wird von Stuttgart-21-Gegnern aus dem linken Lager wohl auch akzeptiert, weil er als Mitglied von Attac die " Ökonomisierung der Gesellschaft " kritisiert.

Als Schlichter hat Geißler viel Erfahrung. Mehrmals vermittelte er in Tarifkonflikten im Bauhauptgewerbe. 2004 trug er zur Einigung der Fluggesellschaft LTU mit ihren Piloten auf einen Tarifvertrag

bei. 2006 war er im Tarifstreit der Gewerkschaft Verdi mit der Telekom als Mediator gefragt. Zusammen mit dem ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf ( CDU ) versuchte Geißler 2007 im Streit zwischen Bahn und Bahngewerkschaft GDL die Wogen zu glätten.

Geißler wurde am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar geboren. Nach Abschluss des Philosophie- und Jurastudiums arbeitete er Anfang der 60 er Jahre kurz als Amtsrichter in Stuttgart und im Ministerbüro des Arbeits- und Sozialministeriums. 1967 wurde Geißler Sozialminister in Rheinland-Pfalz. Zehn Jahre später stieg er zum Generalsekretär der Bundes-CDU unter dem Vorsitzenden Helmut Kohl auf. Er galt als Wadenbeißer, versuchte aber auch die soziale Kompetenz seiner Partei zu schärfen. Von 1982 bis 1985 war Geißler Bundesfamilienminister.

In den Schlichtungsrunden machte Geißler deutlich, dass es in einer Demokratie nicht reiche, Großprojekte formal zu legitimieren. Die Bürger müssten während der Planungsprozesse gefragt werden. Sein großes Vorbild ist die Schweiz. Die Journalistenvereinigung Netzwerk-Recherche würdigte Geißler mit dem Leuchtturm-Preis, weil er " Demokratie-Geschichte geschrieben " habe.

( dpa )