Er ist einfach einer der Giganten der amerikanischen Außenpolitik", sagte Präsident Barack Obama am Montag bei einem Empfang für das diplomatische Korps über Richard Holbrooke, kurz bevor dessen Tod bekannt wurde. Der 69-Jährige hatte nach einem Riss der Hauptschlagader seit Freitag in einem Krankenhaus in Washington gelegen.

Obama war 2009 kaum im Amt, da machte er den versierteren Diplomaten zu seinem Sondergesandten für Afghanistan und Pakistan. Holbrooke konnte eine 45-jährige Erfahrung in der Außenpolitik vorweisen – gespickt mit Erfolgen.

Schon unter Präsident Bill Clinton war er in den 1990er Jahren als Feuerwehrmann bei europäischen Krisen im Einsatz. Als sein "Meisterstück" gilt das Ende 1995 besiegelte Friedensabkommen von Dayton (US-Staat Ohio) zwischen Serben, Moslems und Kroaten in Bosnien. Die Hoffnung, danach auf die Position des Außenministers zu wechseln, blieb ihm unter Clinton aber verwehrt.

Ob bei Konflikten in Bosnien, im Kosovo oder auf Zypern – der Freund klarer Worte agierte in Verhandlungsmarathons mit Hartnäckigkeit und Brillanz – aber immer auch mit einer Portion Kaltschnäuzigkeit.

Holbrooke wurde am 24. April 1941 in New York City geboren. Seine Mutter stammte aus Stuttgart. Doch das war nicht seine einzige Verbindung nach Deutschland. Im September 1993 ging er als US-Botschafter nach Bonn, wo er jedoch nur neun Monate blieb. Dennoch: In der kurzen Zeit, bevor Hol- brooke ins US-Außenministerium zurückkehrte, fand er ungewöhnlich schnell die breite Anerkennung deutscher Politiker.

Der erfolgsverwöhnte Diplomat war in seinem Leben aber auch ein veritabler Geschäftsmann: 1985 übernahm er für acht Jahre eine leitende Position in der inzwischen pleitegegangenen Investmentbank Lehman Brothers. Mit seinen Ausflügen in die Wirtschaft machte er sich nicht nur Freunde.

Kritiker warfen ihm un- ethisches Verhalten vor, weil er nach dem Ausscheiden aus dem State Department 1996 seine Verbindungen genutzt habe, um ein Geschäft für eine Investmentbank einzufädeln. Bei derselben Bank heuerte er später an. Beweise für ein Fehlverhalten wurden aber nie öffentlich.

Auch in seiner diplomatischen Laufbahn kam Holbrooke gelegentlich ins Stolpern. Der US-Senat ließ den als aggressiv, karrierebewusst und geltungssüchtig beschriebenen Diplomaten mehr als ein Jahr schmoren, bis er ihn zum UN-Botschafter in New York berief. Auch in seiner Rolle als Sondergesandter in Südasien war er nicht unumstritten.

Mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai kam er kaum klar. Aus dem Team des damaligen US-Oberbefehlshabers in Afghanistan, General McChrystal, verlautete im Sommer gar, Holbrooke verhalte sich unberechenbar wie ein "verwundetes Tier". Dagegen stand McChrystals Nachfolger General David Petraeus fest an der Seite Holbrookes. Experten sahen für ihn eine bedeutende Rolle bei möglichen Verhandlungen Karsais mit Taliban-Führern und den pakistanischen Nachbarn voraus.(dpa)