Von Eva Krafczyk

Angst vor blutiger Gewalt in der Elfenbeinküste: Die Präsidentenwahl hätte den Staat zur Normalität zurückführen sollen. Doch es gibt erbitterten Streit um den Wahlsieg. Dem westafrikanischen Land droht bei einer weiteren Eskalation des Machtkonflikts ein Rückfall in den Bürgerkrieg.

Die Fronten zwischen dem Sieger der Präsidentenwahl, Alassane Ouattara, und dem amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo, der seine Niederlage nicht anerkennt, sind verhärtet. Auf den Straßen wächst die Gewalt, und mit jedem neuen Toten wird die Kluft zwischen den Lagern Alassane Ouattaras und Laurent Gbagbos tiefer.

Ouattara hat die internationale Gemeinschaft hinter sich. Das Golf Hotel in Abidjan, in dem der Wirtschaftsexperte sein Hauptquartier hat, wird von rund 800 UN-Friedenshütern geschützt. Doch Gbagbo kann sich auf die Armee stützen, die auch um das Golf Hotel einen Belagerungsring gezogen hat. Mehrere internationale Journalisten mussten kürzlich ebenfalls unfreiwillig in dem Hotel logieren – selbst mit einem UN-Bus konnten sie die Straßensperren von Gbagbos Sicherheitskräften nicht passieren.

Internationale Vermittlungsversuche blieben bisher erfolglos. Nachdem bereits die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas laut über eine gewaltsame Entfernung Gbagbos aus dem Amt nachgedacht hatte, schlug der kenianische Premierminister Raila Odinga in die gleiche Kerbe. "Gbagbo muss aus dem Amt gezwungen werden, notfalls mit militärischer Gewalt", sagte er und forderte, die Afrikanische Union solle gefälligst "Zähne zeigen".

Gewalt herrscht unterdessen auf den Straßen von Abidjan – Regierungssitz der Elfenbeinküste –, aber auch in anderen Städten des Landes, das vor dem 2003 beendeten Bürgerkrieg eine der stärksten Volkswirtschaften Westafrikas war. Ungewissheit herrscht über die Zahl der Menschen, die allein in Abidjan getötet wurden, als Ouattara-Anhänger vergeblich versuchten, das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders zu besetzen. Während Ouattaras designierter Regierungschef, der einstige Rebellenführer Guillaume Soro, von mindestens 30 Toten spricht, sagte ein Armeesprecher, es habe 20 Tote gegeben.

Soro hatte die Anhänger Ouattaras an mehreren Tagen auf die Straße gerufen. In den Vormittagsstunden herrschte dann in Abidjan vor allem nervöse Spannung und Angst. Viele Geschäfte blieben geschlossen. Unklar ist, ob die Unzufriedenheit mit Gbagbo größer ist als die Angst, getötet oder verletzt zu werden.

Nach den Ereignissen der vergangenen Tage geht die Angst um. "Als wir die Sicherheitskräfte sahen, hoben wir unsere Hände und sagten, dass wir unbewaffnet waren", schilderte einer der Demonstranten Mitarbeitern von Amnesty International die Niederschlagung des Protestes. "Sie antworteten nicht und warfen Tränengasgranaten, dann begannen sie zu schießen. Ich sah mehrere Tote auf der Straße liegen."

Ouattaras Sprecher Patrick Achi zeigte sich in einem Interview trotzdem zuversichtlich, dass der Konflikt ohne neues Blutvergießen gelöst werden kann: "Nach zehn Jahren Krise haben die Menschen in Elfenbeinküste genug von der Gewalt."(dpa)