Am Sonntag beginnt die Synodentagung der EKD. Im Mittelpunkt steht die Wahl von Präses Nikolaus Schneider (63) zum Ratsvorsitzenden, die für Dienstag vorgesehen ist. Von der Synode, die zeitgleich mit dem Castortransport ins Wendland tagt, wird außerdem eine deutliche Kritik an der Atompolitik der Bundesregierung erwartet, sagt die Synoden-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt.

Von Michael Evers

Mit der Wahl von Margot Käßmann an die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatten die Protestanten vor einem Jahr eine starke Führungsperson gefunden: Käßmann sollte die angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen und Finanzen drängenden Reformen fortführen. Und sie sollte der Kirche als Modernisiererin mit Charme Profil geben. Aber es kam anders. Nach kaum vier Monaten im Amt musste die beliebte Theologin wegen einer Alkoholfahrt Ende Februar abdanken. Der rheinische Präses Nikolaus Schneider übernahm kommissarisch die Führung. Auf der anstehenden Tagung der EKD-Synode vom 7. bis 10. November in Hannover soll der 63-Jährige nun regulär an die Spitze der 25 Millionen Protestanten gewählt werden – Gegenkandidaten sind keine in Sicht.

Die Ruhe nach dem Sturm, die sich nach Käßmanns Rücktritt eingestellt hat, wollen viele in der Führungsebene der Kirche erst mal gewahrt wissen. Zu sehr hatte die ohnehin schon medienpräsente Käßmann zum Schluss die Aufmerksamkeit auf ihre Person konzentriert. Dabei hatte sie auch sich und die Kirche mit ihrer Kritik am Afghanistaneinsatz unter ungeahnten Beschuss gebracht.

Auch wenn die Wahl Käßmanns als erste Frau an die Kirchenspitze vor einem Jahr noch eine kleine Revolution war. Wichtiger als ein Modernisieren um jeden Preis ist der Kirche nun zunächst einmal, in ruhigem Fahrwasser wieder Kurs zu halten.

Präses Schneider hat bereits bewiesen, dass er ebenso wie Käßmann klare Worte findet, wenn es gilt, die Position der evangelischen Kirche in Fragen der Sozialpolitik, Bildung, Atomenergie oder zur Zusammenarbeit mit den Katholiken zu formulieren.

Der Theologe aus dem Rheinland ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement. Aus seiner Sicht muss sich die Kirche "von der Leidenschaft Gottes für die Schwachen" leiten lassen.

Schneider wurde 1947 als Sohn eines Stahlarbeiters in Duisburg geboren, arbeitete nach seiner Ordination 1976 als Gemeindepfarrer in Duisburg, ab 1987 als Superintendent in Moers und wechselte zehn Jahre später in die Leitung der Kirche im Rheinland.

Die Aufgaben, vor denen der künftige Ratsvorsitzende der EKD steht, sind binnen eines Jahres nicht leichter geworden. Immer weniger besuchte Gottesdienste, absehbar weiter schrumpfende Finanzen und eine in weiten Teilen stärker säkulare Gesellschaft – die christliche Kirche in Deutschland befindet sich weiterhin in der Krise.

Schneider wird sich darum kümmern müssen, den vom ehemaligen EKD-Chef Wolfgang Huber eingeschlagenen innerkirchlichen Reformkurs weiter zu moderieren. Dabei geht es um das Straffen der Strukturen, aber auch um mehr Profil bei kirchlichem Handeln. Ein Zentrum für Evangelische Predigtkultur wurde inzwischen in Wittenberg in Sachsen-Anhalt eingerichtet, im niedersächsischen Hildesheim das Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst. Verstärkt soll auch die Situation der Kirche auf dem Lande in den Fokus rücken. Absehbar wird nicht jede Gemeinde in der Provinz erhalten werden können.

Neben der Wahl des Ratsvorsitzenden hat auch die Synodentagung in Hannover einen thematischen Schwerpunkt, der dieses Mal die Bildung unter dem Motto "Niemand darf verloren gehen!" in den Blick rückt. Die Forderung der Kirche an die Politik ist hier, mehr für Bildungsgerechtigkeit zu tun und das Schulsystem zu reformieren.

Die auf der letzten Tagung des Kirchenparlaments in Ulm in Baden-Württemberg gefeierte Käßmann wird unterdes erstmals seit vielen Jahren nicht mehr bei dem Spitzentreffen der Protestanten dabei sein - sie hält sich für einen Studienaufenthalt in den USA auf. (dpa)