Von Simone Hummel und Georg Ismar

Der UN-Klimagipfel von Kopenhagen endete niederschmetternd. Die Staatengemeinschaft nimmt nun einen neuen Anlauf. Allzu groß sind die Hoffnungen für das heute beginnende Treffen im mexikanischen Cancún nicht. Zumindest das Wetter dürfte gut sein. Aber ansonsten sind die Aussichten für den Klimagipfel Strandparadies eher trübe.

Ein neuer umfassender Vertrag zum Klimaschutz ist nicht zu erwarten, wohl aber Bausteine auf dem steinigen Weg dorthin. Die Zeit drängt: Das haben nicht nur die Torfbrände in Russland und die Jahrhundert-Überschwemmungen in Pakistan gezeigt. 2010 dürfte das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden.

"Wir können nicht immer auf die USA warten", heißt es in Berlin. Seit der Wahlschlappe von Präsident Barack Obama bei der Kongresswahl ist die US-Regierung noch handlungsunfähiger in Sachen Klimapolitik. Deutschland könnte daher auf Fortschritte in kleinen Etappen setzen und sich Partner suchen, die beim Klimaschutz voranschreiten wollen.

Dass aber auch auf UN-Ebene noch etwas geht, zeigte die Einigung auf ein globales Artenschutzabkommen Ende Oktober im japanischen Nagoya. Von "einem weltweiten Aufbruchsignal" spricht Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Nach Einschätzung aus Regierungskreisen sind in Cancún Teilerfolge möglich, wie beim Waldschutz, bei Klimahilfen für Entwicklungsländer oder zur Überprüfung von Klimaschutzzusagen.

Die Bundesregierung sieht sich mit ihrem unverbindlichen Ziel, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, zwar als treibende Klimaschutzkraft. Umweltschützer kritisieren aber, dass sie weiterhin stark auf Strom aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken setzt und die Lkw-Maut für schadstoffreiche Fahrzeuge nicht wie geplant erhöht. Zudem fand ein SPD-Entwurf, das 40-Prozent-Ziel tatsächlich gesetzlich zu verankern, bei Union und FDP keine Zustimmung.

Auch die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, warnt vor zu großen Hoffnungen in Cancún. Sie verweist jedoch auf nationale Klimaschutzanstrengungen vieler Staaten, insbesondere von China. Der neue 5-Jahres-Plan beinhalte umfassende Energieeinsparungen und den Ausbau erneuerbarer Energien. Oft sei es für Staaten einfacher, nur national den Klimaschutz zu forcieren, statt sich an umfassende Abkommen mit rund 190 Staaten zu binden.

Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), kritisiert die heruntergeschraubten Erwartungen an den Cancún-Gipfel. "Wenn schon im Vorfeld die Erwartungen auf ein Minimum kleingeredet werden, wundert sich kaum jemand, dass es dann auch so kommt."

Ein Nachfolgeabkommen für das Protokoll von Kyoto erwarten auch die meisten Klimaschützer nicht. "Das wird es frühestens nächstes Jahr geben, und dann mit vorläufigen Zahlen, die 2015 noch mal verschärft werden müssen", sagt der Politische Direktor von Germanwatch, Christoph Bals. Er setzt auf neue Staaten-Koalitionen und eine neue Dynamik in wichtigen Ländern – wie China, aber auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Doch auch in Cancún sind nach Auffassung von Klimaschützern einige Teilabkommen bereits entscheidungsreif: dazu zählt ein Papier zum Waldschutz. 17 Prozent der Treibhausgase gehen laut UN auf die Zerstörung der Wälder zurück, das ist mehr als im Transportbereich. In Berlin heißt es, das Abkommen sei unterschriftsreif. Dabei sollen Länder, die ihre Wälder schützen, Geld erhalten. Umstritten ist noch, was alles als Wald zählt und wie artenreich dieser sein muss, um in den Vertrag aufgenommen zu werden.

Auch ein Papier zur Anpassung der ärmeren Länder an die Folgen des Klimawandels könnte verabschiedet werden. Dazu gehören beispielsweise der Kauf neuer Pflanzensorten, feste Häuser oder Dämme, aber auch eine Versicherung gegen Unwetterschäden.

Doch für das alles wird Geld benötigt. Die reichen Staaten hatten in den Vereinbarungen von Kopenhagen zwar festgelegt, jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele ab dem Jahr 2020 für ärmere Länder bereitzustellen. Doch die Vereinbarung ist nicht verpflichtend, zudem ist unklar, woher das Geld genau kommen soll.

Langfristiges Ziel ist ein Klimaschutzabkommen, das den globalen Temperaturanstieg auf höchstens 2 Grad Celsius begrenzt. "Cancún ist nur ein Puzzleteil auf dem Weg dorthin, aber ein wichtiges, es ist nicht der Ort, an dem sich alles klärt", fasst Kathrin Gutmann, Leiterin Politik von Greenpeace international, zusammen.

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mahnt unterdessen: "Die Mehrzahl heutiger Extremereignisse wäre ohne globale Erwärmung nicht eingetreten." So nehme etwa die Zahl der Hitzewellen deutlich zu. Die globale Temperatur steige seit 30 Jahren mit konstantem Trend an. "Es ist recht wahrscheinlich, dass 2010 einen neuen Rekord setzen wird."(dpa)