Von Basil Wegener

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt nimmt sich Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) der Gesundheitsvorsorge an. Ein Präventionsgesetz, an dem Röslers Vorgängerin Ulla Schmidt (SPD) scheiterte, will die Koalition jedoch nicht. Rösler kün- digt stattdessen eine "schlüssige Präventionsstrategie" an.

Das Problem: Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes treffen Millionen Menschen. Ein Großteil wäre vermeidbar: durch bessere Ernährung, mehr Sport, weniger Stress, entsprechende Arbeitsbedingungen und Vorbeugemaßnahmen. 16 Prozent der Bundesbürger sind laut jüngster OECD-Studie fettleibig, 45 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer übergewichtig. Armut erhöht zudem das Risiko, krank zu werden.

Zwar kümmern sich zumindest große Unternehmen mittlerweile mehr oder minder um Gesundheitsvorsorge. Die Krankenkassen gaben nach den bisher letzten Zahlen 2008 rund fünf Milliarden Euro für Vorbeugung inklusive Impfungen aus. Doch ist das nur ein Bruchteil der Gesamtausgaben von derzeit 172 Milliarden Euro.

"Unser Gesundheitswesen ist auf Reparatur ausgerichtet", sagt Alfons Schröer, Leiter der Gesundheitsförderung bei den Betriebskrankenkassen. Rösler verspricht nun ein "Gesamtkonzept". Die niedergelassenen Ärzte, vor allem Haus- und Kinderärzte, sollen mit der Honorarreform 2011 für Prävention erstmals bezahlt werden. Röslers Kalkül: Ärzte erreichen alle Schichten, alle Bürger.

Bei den Krankenkassen schrillen die Alarmglocken. "Nachdem gerade innerhalb eines Monats der zweite Honoraraufschlag für die Ärzte beschlossen wurde, müssen wir aufpassen, dass das Thema Prävention von den Ärzten nicht als Trojanisches Pferd genutzt wird, um noch mehr Geld von den Beitragszahlern zu bekommen", sagt Verbandssprecher Florian Lanz.

Rösler zielt zudem auf Unternehmen ab, bis hin zum Ruf nach weniger belastenden Arbeitsabläufen, wo sich psychische Störungen häufen. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer haben einem DAK-Report zufolge mittlerweile Symptome einer psychischen Krankheit wie Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen. "Hier stärker aktiv zu werden, ist das Ziel für 2011", verspricht Rösler.

"Betriebliche Gesundheitsvorsorge ist nicht Äpfel verteilen oder eine Muckibude im Keller", erläutert Experte Schröer. Der Krankenstand kann in einzelnen Firmenbereichen zwischen 1,8 und 10 Prozent schwanken. Dort, wo Arbeit zum psychischen Risiko wird, soll die Job-Situation aus Expertensicht auf Überlastung und widersprüchliche Anforderungen untersucht werden.

Doch Arbeitslose und Menschen in prekärer Lage haben ein größeres Risiko, krank zu werden. Lärm und Luftbelastung steigen laut Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit rapide, je weniger jemand verdient. Manche Versicherungen investieren nun auch mehr in Programme für Kitas, Schulen, Arbeitslosenzentren. Dies solle weitergehen, sagt Rösler.

Der Sachverständigenrat fürs Gesundheitswesen hat zuletzt 2009 nachdrücklich gefordert, die Planlosigkeit bei der Prävention in Deutschland durch mehr Koordination zu ersetzen. Rösler lehnt strenge Regeln ab: "Wir müssen auch auf die Eigenverantwortung der Patienten setzen."(dpa)