Von Can Merey

Wenn die Bordschützen der Task Force Kundus auf dem Transportpanzer Fuchs ihre Position einnehmen, dann haben sie die Wahl: Entweder ziehen sie die Haube mit integriertem Sprechfunksatz auf den Kopf, die keinen Schutz bei Angriffen bietet. Oder sie ziehen einen Helm an, der Aussparungen für Kopfhörer hat – und den sie sich für 250 Euro privat beschafft haben. Auf den Standardhelm passt der Sprechfunksatz nicht. Der private Helm wiederum ist weder dienstlich geprüft noch genehmigt. Die Soldaten sind mit ihm besser geschützt als mit der Haube, aber theoretisch nicht mehr versichert.

Auch der Hauptgefreite Achim R. hat sich vor dem Afghanistan-Einsatz den Helm gekauft. Wenn R. an die Front zieht, ist vieles von dem, was er am Körper trägt, aus eigener Tasche bezahlt: Die Handschuhe, das sogenannte Chest-Rig, in dem Magazine am Oberkörper festgeschnallt werden, das Combat-Shirt, der Gürtel, die Beintasche für Sanitätsmaterial, selbst das Visier auf dem G-36-Gewehr – alles privat für insgesamt weit über 1000 Euro beschafft.

Die Soldaten sind sich einig, dass die Standardausrüstung nicht schlecht ist – andere Nationen beneiden die Deutschen darum. "Das andere Zeug ist nicht Schrott", sagt ein Offizier, der ungenannt bleiben möchte. "Es ist hier einfach nur unzweckmäßig. Wir kaufen die Sachen ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir vernünftig kämpfen können müssen, wenn es notwendig ist." Der Chef der dritten Kompanie der Task Force Kundus, Hauptmann Michael L., nennt die Mängel "nicht kriegsentscheidend". Er sagt aber zugleich: "Wir könnten wesentlich effizienter und schneller ausgerüstet werden."

Während bei Handschuhen oder Combat-Shirt auch persönliche Vorlieben eine Rolle spielen mögen, würden Verbesserungen beim schweren Gerät mitunter die Kampfkraft der Truppe erhöhen. Fünf Füchse hat der Hauptmann unter seinem Befehl, außerdem ein Fahrzeug vom Typ Eagle. Auch fünf Schützenpanzer Marder unterstehen L., von denen zum Zeitpunkt des Gesprächs im Unruhedistrikt Char Darah aber nur drei fahrbereit sind. Die Marder, die sich im Gefecht gegen die Taliban bewährt haben, "fallen ständig altersbedingt aus, weil die Ersatzteillieferung schwierig ist", sagt L.

Vor allem aber verfügt der Kompaniechef über 17 Panzerfahrzeuge vom Typ Dingo – und auch bei denen gibt es Verbesserungspotenzial. Anders als beim Fuchs lenkt der Schütze im Dingo die Bordwaffe nicht vom Dach, sondern vom Passagierraum aus. Der Soldat muss an zwei Kurbeln drehen, um die Kanone horizontal und vertikal zu bewegen. Das dauert – bei einem Angriff während der Fahrt ist es kaum möglich, gezielt auf den Gegner zu schießen.

Außerdem muss sich der Schütze, der das Ziel über eine Art Teleskop ins Visier nimmt, mit der Kanone drehen. Wenn er im letzten Fahrzeug eines Konvois nach hinten sichern soll, kniet er entgegen der Fahrtrichtung auf seinem Sitz – und verstößt gegen die Vorschrift, angeschnallt zu sein.

Eine Alternative zur Kurbellafette gäbe es: Ein fernbedienbares Waffensystem, mit dem der Schütze die Kanone von seinem Sitz aus mit einer Art Joystick steuert und das Ziel auf einem Monitor erfasst. Die Dingos werden schrittweise damit nachgerüstet. Ausgerechnet die Dingos der dritten Kompanie, deren Soldaten im wahrsten Sinn des Wortes an vorderster Front stehen, haben es aber noch nicht.

Der Vorteil an dem fernbedienbaren System ist zudem, dass es mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet ist. Die Soldaten in Char Darah haben selber Nachtsichtgeräte an ihre Dingos gebastelt – auch das ist nicht erlaubt. Sie haben an der Bordwaffe eine Metallschiene und daran wiederum eine Wärmebildkamera befestigt, die sich mit der Kanone dreht. Die Kamera haben sie über Kabel mit dem Monitor eines tragbaren DVD-Players verbunden, den sie auf dem Markt gekauft haben. "Sowas wird geduldet, bis etwas passiert", sagt ein Offizier.

Was die Dingos nun bekommen sollen, ist ein sogenannter Jammer. Er stört Funksignale und verhindert damit, dass die Taliban Sprengsätze fernzünden können. Das Problem: Die Pläne der Bundeswehr sehen vor, dass die Jammer-Geräte im Passagierraum untergebracht werden. Damit fällt ein Sitz weg, nur noch fünf Soldaten haben in dem Fahrzeug Platz, einer weniger als bislang kann dann im Gefecht kämpfen. Die deutschen Soldaten fragen sich, warum man es nicht macht wie die Belgier: Deren Dingos haben weiterhin sechs Plätze, weil die Geräte im Kofferraum stehen. Ein Soldat meint: "Manches könnte einfacher sein, wenn man auf uns hören würde."

Das gilt auch bei der Drohne Heron, die L.s Männer anfordern können, um die Gegend aus der Luft zu überwachen. Andere Armeen haben das unbemannte Flugzeug mit einer Hellfire-Rakete bestellt, die Bundeswehr nicht. Die Heron der Deutschen kann Ziele zwar aufklären, aber nicht bekämpfen – dafür müssen dann zusätzlich ein Jet oder ein Hubschrauber angefordert werden. Die Drohne ohne Waffen zu beschaffen sei eine "Schwachsinnsentscheidung" gewesen, sagt ein Offizier. Das sei geschehen, "weil immer noch Leute propagieren, wir bauen hier Kindergärten – statt einzusehen, dass wir im Krieg sind".(dpa)