Von Tina Heinz

Die Christen bilden unter den Religionsgemeinschaften im Nahen Osten eine religiöse Minderheit, die einer muslimischen Mehrheit gegenübersteht. Das Zusammenleben ist problematisch. In den vergangenen Wochen hat sich die Lage zunehmend verschärft. Brutale Anschläge von islamistischen Terroristen auf Christen im Irak häufen sich und sind kaum noch aus der Berichterstattung der Medien wegzudenken.

Auch in anderen Ländern fliehen Christen aus ihrer Heimat, um der Verfolgung zu entgehen. Diese Problematik steht heute Abend im Mittelpunkt eines Vortrages, der im Rahmen der Ökumenischen Friedens-Dekade ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindesaal, Puschkinstraße 35, in Oschersleben zu hören ist.

Schwester Hatune Dogan, eine syrisch-orthodoxe Christin aus dem Osten der Türkei, wird von ihr Arbeit im Irak, in Ägypten und in anderen Ländern berichten. Hatune Dogan musste 1985 mit ihrer Familie aus ihrer Heimat fliehen. Inzwischen deutsche Staatsbürgerin gründete sie 2005 die "Sister Hatune Foundation". Die 40-Jährige ist Mitglied des syrisch-orthodoxen Klosters in Warburg (Nordrhein-Westfalen) und Leiterin der Hilfsorganisation "Helfende Hände", die sie 2006 in Paderborn ins Leben rief.

Schwester Hatune hat es sich zur Aufgabe gemacht, armen Menschen, traumatisierten Mädchen und Frauen in Indien und anderen islamischen Ländern wie der Türkei, Ägypten oder dem Irak zu helfen. Um auf die fatale Lage von verfolgten Christen aufmerksam zu machen, verschont sie bei den Vorträgen ihre Zuhörer bewusst nicht mit grausamen Beschreibungen und schrecklichen Bildern. Am 26. August wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Das Thema hat vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse nichts an Brisanz und Bedeutung verloren. So nahmen Ende Oktober fünf islamische Fanatiker während einer Messe in der katholischen Sajjidat-al-Nadscha-Kirche in Bagdad Geiseln. Als die Polizei die Geiseln befreien wollte und die Kirche stürmte, zündeten die Terroristen ihre Sprengstoffgürtel. 50 Christen kamen ums Leben.

Zehn Tage danach starben drei Menschen, als Häuser von Angehörigen der christlichen Minderheit in fünf verschiedenen Stadtvierteln mit Granaten und Bomben attackiert wurden. Der christliche Abgeordnete Jonadam Kanna sagte nach dpa-Angaben, es sei ganz offensichtlich das Ziel der Terroristen, die letzten Christen aus dem Irak zu vertreiben. Dies dürfe nicht passieren.

Auch im islamischen Pakistan gibt es unter 184 Millionen Einwohnern ungefähr drei Millionen Christen, die regelmäßig Opfer von Diskriminierungen und Schikanen sind. So sorgte vor Kurzem das Todesurteil eines pakistanischen Disktriktsgerichts für Entsetzen: Die Christin Asia Bibi soll am Galgen gehängt werden, weil sie sich angeblich despektierlich über den Propheten Mohammed geäußert hatte.