Von Tina Heinz

Der Berliner Schriftsteller Rafael Seligmann hat am Dienstag seine Autobiografie in der Magdeburger Stadtbibliothek vorgestellt. "Deutschland wird dir gefallen" steht auf dem Buchdeckel des Werks, in dem der 63-jährige Publizist seine persönliche Geschichte mit Zeitgeschichte verzahnt.

Der Titel ist ein Zitat seines Vaters Ludwig. Er wollte den jungen Rafael 1957 überzeugen, von Israel nach Deutschland auszuwandern und sollte mit diesem Satz recht behalten. "Was mir heute an Deutschland gefällt, sind die Menschen, die Kultur, der Wohlstand, die Rechtssicherheit und die Freiheit", erklärt Rafael Seligmann, der im Alter von 10 Jahren mit seiner Familie nach München kam.

Kritik lässt jedoch auch nicht lange auf sich warten. "Ich schätze zwar die Ernsthaftigkeit der Deutschen. Diese schlägt jedoch häufig in Verbissenheit um. Und auch dieses ständige Verlangen nach Absicherung wirft für mich einen negativen Schatten."

In seinem Geburtsland – Seligmann kam 1947 in Tel Aviv zur Welt – seien die Menschen oft fröhlicher und zuversichtlicher. "Es ist bemerkenswert, welch unbändigen Optimismus die Menschen in Israel an den Tag legen. Terrordrohungen sind dort zum Alltag geworden und die Menschen können damit umgehen", schildert der 63-Jährige. "Daran wird man sich hier auch gewöhnen müssen. Islamischer Fundamentalismus ist ein internationales Problem. Trotzdem muss man seine Fröhlichkeit bewahren."

Politik und Medien nimmt der Schriftsteller, der heute in Berlin lebt, in die Pflicht, den Menschen vor solchen Gefahren die Angst zu nehmen. "Die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland Opfer eines Terroranschlags zu werden ist so groß wie die, von einer Giftschlange gebissen zu werden. Das muss man nicht noch mehr aufbauschen."

Die angesprochene Zuversicht und Fröhlichkeit scheint Rafael Seligmann aus Israel mitgebracht zu haben. Stets ein Lächeln auf den Lippen und mit einem Augenzwinkern hält der Schriftsteller in seiner Autobiografie Deutschland und Israel einen Spiegel vor. Dabei spielt er auch mit Vorurteilen und Klischees – jedoch nicht, ohne diese aufs Korn zu nehmen.

Sogar einen Juden-Witz erzählt der Autor, der zu keiner Zeit Zweifel aufkommen lässt, dass seine jüdische Identität für ihn wichtig ist. Auf das deutsch-jüdische Verhältnis angesprochen, findet Rafael Seligmann klare Worte: "Wir sollten uns weniger mit der Vergangenheit beschäftigen. Entscheidend ist, uns auf die Zukunft zu konzentrieren." Hierbei stellt er die Frage in den Vordergrund: "Was können wir voneinander lernen?"

Diese beantwortet der Autor zugleich. Israel könne von Deutschland lernen, bestimmte Vorgänge besser zu organisieren und Normen oder Situationen ernst zu nehmen. "Wenn Sie ein Anliegen haben, hören Sie in Israel oft ¿kein Problem‘", schildert Seligmann ruhig lächelnd. Und mit der gleichen Ruhe fügt er hinzu: "Wenn ich das höre, könnte ich denjenigen erwürgen. Denn mit dieser abgestumpften Einstellung beginnen die Probleme erst."

Nach Einschätzung des Publizisten haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel verbessert. "Die beiden Staaten haben erst 1965 diplomatische Beziehungen aufgenommen. Früher waren diese viel verkrampfter, aber heute sind wir auf einem guten Weg." Vor allem der Jugendaustausch und der Wissenschaftsaustausch werde stark gefördert.

Die seit 50 Jahren bestehenden Kooperationen in Wissenschaft und Forschung werden ständig intensiviert und ausgebaut. "Das wird nicht nur von den Regierungen, sondern auch von großen Konzernen wie SAP oder Telekom unterstützt", so Seligmann. "In Israel tut sich sehr viel. Man darf auch nicht vergessen, dass das Land auf dem Gebiet der Informatik weltweit an zweiter Stelle steht." Dies sollte nicht nur für Deutschland von großem Interesse sein.

Auch was den Tourismus betrifft, sind die beidseitigen Sympathien seit vielen Jahren ungebrochen. "Für die Israelis sind die spannendsten Ziele New York und Berlin", weiß Rafael Seligmann. "Die meisten Touristen, die nach Deutschland kommen, sind neben den US-Amerikanern die Israelis – und nicht etwa Japaner oder Chinesen." Vice versa hält der Strom deutscher Touristen in Israel an. Der 63-Jährige macht dafür vor allem das warme Klima verantwortlich und die Tatsache, dass man sich in Israel überall auf Englisch verständigen kann – und auch diese Aussage bekräftigt er mit einem Lächeln.

Etwas ernster wirkt Rafael Seligmann beim Thema Ausländerpolitik. "Das ist natürlich ein Problem, das sich nicht einfach durch Reden beheben lässt", meint der 63-Jährige. Man habe in Deutschland zu viele Unqualifizierte aufgenommen und habe sich zu wenig an den deutschen Interessen orientiert. "Die Konservativen sperren sich dagegen, ein Einwanderungsland zu sein. Und die Liberalen breiten die Arme aus und sind bereit, jeden aufzunehmen", so Seligmann. Dabei kann er weder die eine noch die andere Haltung befürworten.

"Was die Einwanderungspolitik betrifft, müssen zwei Maßgaben gelten: Jeder, der nach Deutschland kommt, muss die Sprache beherrschen sowie die freiheitliche Ordnung und die Gesetze respektieren. Und jeder, der denkt, Deutschland sei ein Wohlfahrtsstaat, sollte wieder dahin geschickt werden, woher er kam." Diese klaren Richtlinien würden aber vermutlich das Nachkriegsphänomen einer vorsichtigen Ausländerpolitik durchkreuzen.

Die Angst der Deutschen, als ausländerfeindlich abgestempelt zu werden, spielt in Rafael Seligmanns Biografie eine wichtige Rolle. Uneitel und realistisch schildert er als jüdischer Deutscher oder deutscher Jude, was ihn bewegt – stets gewürzt mit einer Prise schonungslosem Humor.