Sie gehen um die Welt - die Bilder der um den verstorbenen "geliebten Führer" trauernden Nordkoreaner. Die Szenen erinnern an Sektenmitglieder, die ihren verblichenen Guru beweinen. Und so ähnlich verhält es sich wohl auch: Kim Jong Il und vor ihm sein Vater Kim Il Sung hielten das 23-Millionen-Volk über Jahrzehnte in kollektiver Knechtschaft, gekennzeichnet durch bittere Armut, totale Unmündigkeit und komplette Überwachung.

Kontakte mit Ausländern sind den einfachen Nordkoreanern streng verboten, ganz zu schweigen von Reisen in andere Länder. Selbst zu Verwandten im Süden der Halbinsel gibt es keine Verbindungen - abgesehen von propagandaträchtigen Ausnahme-Treffen an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea.

Die Diktatorenfamilie Kim hat es geschafft, aus dem Kommunismus heraus ein System zu schaffen, gegen das selbst der Stalinismus menschlich anmutet. Dem Volk traten die Führer der Kim-Dynastie gottgleich gegenüber. Ihre Juche-Ideologie vom autarken Staat wurde zu einer Ersatzreligion.

Es ist daher nur allzu verständlich, dass viele Nordkoreaner den Tod des Diktators so empfinden, als hätten sie den eigenen Vater verloren. Kim Jong Il hatte es schließlich sogar verstanden, die Hungersnot der 1990er Jahre mit schätzungsweise einer Million Todesopfern für sich zu nutzen. Nur seine Weisheit, tönte die Propaganda, habe das Land vor noch Schlimmerem bewahrt.

Die Trauer-Bilder lösen Kopfschütteln aus: Wie können sich Menschen so manipulieren lassen? Da zeigt sich das kurze Gedächtnis der Geschichte: Als im März 1953 der sowjetische Führer Stalin starb, spielte sich in der DDR - wie im gesamten Ostblock - Ähnliches ab wie jetzt auf der fernen asiatischen Halbinsel.

Es mag damals echte Trauer dabeigewesen sein - erwiesenermaßen nicht aber bei der breiten Masse Ostdeutschen. Denn wie hätte sonst kurz darauf am 17. Juni 1953 in der DDR der Volksaufstand gegen die Staatsführung losbrechen können? Und niemand kann sagen, was morgen in Nordkorea passiert.