Change, also der Wandel, war gestern. Die Konservativen in den USA haben Präsident Obama ausgebremst. Das war nicht besonders schwierig. Sie mussten nur dagegen sein: Gegen Obamas Gesundheitsreform, gegen sein Anti-Krisenprogramm, gegen Einwanderung, gegen Reformen im Allgemeinen und überhaupt gegen die Regierung.

Lautstark Nein zu sagen kommt immer an bei Zornigen, die im Zuge der Krise ihre Jobs verloren, die immer noch keine neue Arbeit haben und deren überschuldete Häuser weiterhin zum Verkauf stehen. Ein alternativloses Nein kommt an bei jenen, die von dem wirtschaftlichen Druck überfordert sind. Und bei denen, die Furcht haben vor weiterem Statutsverlust in einem Amerika, dessen Gesicht sich auch infolge starker Zuwanderung deutlich gewandelt hat und sich weiter verändert.

Ohnmächtig sehen sich viele Amerikaner Verwerfungen innerhalb der Gesellschaft ausgeliefert – wie etwa dem tiefgreifenden Niedergang der Autostadt Detroit. Hilflos sehen sie sich einem politischen System gegenüber, das viele potenzielle Blockierer zulässt. Und sie haben es mit einer Politik zu tun, die dem Einfluss privater Wahlkampf-Geldgeber unterliegt.

In solcher Stimmung hat die rechtspopulistische Tea-Party-Bewegung viele der Wütenden eingesammelt und sie der Republikanischen Partei zugeführt. So haben denn die amerikanischen Radikalen erfolgreich mit der Angst der Menschen gespielt und mit jenen Unsicherheiten, die immer dann die Oberhand gewinnen, wenn Gesellschaften unter Druck geraten. Und die USA sind unter Druck: Der Wirtschaftsmotor stottert. Der Dollar schwächelt. China, der große Konkurrent, gewinnt an Boden. Das amerikanische Selbstbild nimmt Schaden. Endzeitstimmung ist gewiss ein übertriebenes Wort dafür.

All das sind nicht nur amerikanische Probleme. Auch in Europa leiden Demokratien unter Vertrauensschwund. Auch auf unserem Kontinent wächst das Unverständnis darüber, dass demokratische Prozesse langwierig sind. Und es steigt die Wut darüber, dass Politik den meisten Menschen immer ferner, einflussreichen Lobbyisten aber immer dienstbarer wird. Ein fruchtbares Klima für Populisten – von rechts und von links. (Politik)