Die FDP hat – glaubt man aktuellen Umfragen – binnen 15 Monaten vier Fünftel ihrer Anhängerschaft verloren. Nun haben etliche Führungsfiguren panische Angst vor der Fünf-Prozent-Hürde. Ihnen geht es ums eigene politische Überleben. Sie wollen Ballast abwerfen. Und der hat einen Namen: Guido Westerwelle.

Den Liberalen geht es schlecht. Klar, dass in solcher Lage alle Finger auf den Parteichef zeigen. Es ist aber falsch, Westerwelle zum alleinigen Sündenbock zu stempeln. Wer auf das erste Jahr Regierungsarbeit in Berlin zurückblickt, wird sich an kollektives Geschnatter und kollektive Orientierungslosigkeit erinnern. Wer die Debatten über die Balance von Sicherheit und Bürgerrechten verfolgte, den beschlich das Gefühl, die FDP sei immer weniger Bürgerrechtspartei, dafür um so mehr Wirtschaftspartei. Wen wundert’s, wenn sich sehr viele Anhänger abwenden. Die kommen nicht zurück, wenn nur der Parteichef geht, das Erscheinungsbild aber bleibt. (Politik)