Die französische Nationalversammlung hat nichts anderes getan, als Völkermorde jeder Art per Gesetz zu ächten. Darunter fällt auch der osmanische Genozid an den Armeniern, der erwiesenermaßen Hunderttausende Opfer forderte. Dass dies die armenisch-stämmigen Franzosen bei den Präsidentschaftswahlen goutieren werden, hat gewiss eine Rolle gespielt.

Doch auch zu jedem anderen Zeitpunkt hätte die Türkei so überzogen reagiert wie jetzt: Frankreich hat ein türkisches Tabu gebrochen und soll - beim Präsidenten angefangen - kollektiv dafür büßen. Premier Erdogan zerrt den Algerien-Krieg hervor, um den eigenen Nationalismus zu verkleistern. Die Negierung der Armenier-Massaker ist eine Lebenslüge der türkischen Republik. Dass Ankara daran zwanghaft festhält, zeigt, wie weit das Land noch von Europa entfernt ist. Politik