Kaum im Élysée angekommen, denkt Frankreichs neuer sozialistischer Präsident François Hollande laut über eine militärische Intervention in Syrien nach. Dabei hätte man, als er als Wahlkämpfer den vorzeitigen Rückzug der französischen Truppen aus Afghanistan forderte und diese Position nach seiner Wahl auch beim NATO-Gipfel behauptete, meinen können, er wolle La Grande Nation künftig aus militärischen Abenteuern heraushalten. Natürlich nennt Hollande den Vorbehalt eines UN-Mandats.

Doch Hollande spielt mit dem Feuer. Sein Aufgalopp stärkt jene Kräfte innerhalb und außerhalb Syriens, die ein militärisches Eingreifen des Westens zum Sturz des Assad-Regimes nach dem Vorbild Libyens um jeden Preis wollen. Auch damals war Frankreich (mit Großbritannien) die treibende Kraft. Der Blick nach Libyen, aber auch nach Irak zeigt indes, was ein "Befreiungskrieg" in Syrien zurücklassen würde: ein zerrissenes Land, weiteres Blutvergießen und Islamisten an der Macht. Politik