Ein "Virtuelles Kraftwerk" hat die Hochschule Harz in Wernigerode gestern offiziell in Betrieb genommen. Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Biomasse, vor allem das Energiemanagement in einer Leitwarte können so simuliert werden. Mehr als 220000Euro haben die technischen Anlagen gekostet.

Wernigerode l Ein Windkanal, der auch Sturmböen erzeugen kann, treibt ein Modell eines Windrades an. In bonbongläsergroßen Behältern wird Getreide zu braun-blubbernder Biomasse. Gleich acht gleißende Scheinwerfer versuchen sich vor einem Solarmodul als künstliche Sonnen. In der Wernigeröder Hochschule Harz lernen und forschen derzeit rund 30Studenten in der Fachrichtung Erneuerbare Energien.

Seit gestern können sie für ihre wissenschaftliche Ausbildung ein Kraftwerk samt Leitwarte nutzen - allerdings ein Kraftwerk, das mit Hilfe von Computern simuliert wird. Mit rund 220000Euro ist dieses Virtuelle Kraftwerk aus dem Förderprogramm der Länder unterstützt worden.

Laut Professor Andrea Heilmann vom Fachbereich Automatisierung und Informatik ermögliche die neue technische Ausstattung der Harzer Hochschule, auch Fragen des Energiemanagements zu beleuchten. Nicht nur in der Gesellschaft, auch in Wissenschaft und Forschung werde intensiv und kontrovers über Chancen und Risiken Erneuerbarer Energien diskutiert.

Die Wernigeröder Hochschule Harz wolle in dieser Debatte ihren Beitrag leisten, die Energieerzeugung optimieren, dabei Kosten und Effizienz untersuchen. Dazu nutzen die Studenten Laboranordnungen, um aus Windkraft und Biomasse die Energiegewinnung zu simulieren, sowie die tatsächlich auf den Hochschuldächern vorhandenen Photovoltaikanlagen. Die neuen Anlagen der Hochschule Harz ermöglichen, so Prof. Heilmann, den Betrieb der einzelnen regenerativen Erzeugungsarten so zu steuern und zu vernetzen, dass auch der von Tageszeit und Wochentag abhängende unterschiedliche Energieverbrauch in der Leitwarte des Virtuellen Kraftwerks simuliert werden könne.

Das Zukunftsthema schlechthin sei die Speicherung von erneuerbarer Energie. Bislang gebe es bundesweit eine Speicherkapazität von 40Gigawattstunden, für das Jahr 2020 werde ein Bedarf von 30000Gigawattstunden prognostiziert, hieß es zur offiziellen Inbetriebnahme des Virtuellen Kraftwerks. Gelänge es, aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugte Energie zu Wasserstoff und Methan umzuwandeln und diese im Erdgasnetz zu speichern, ergebe das eine rechnerische Kapazität von 110000Gigawattstunden.

Zu den neuen Bildungsangeboten der Hochschule in Wernigerode im Bereich des Wirtschaftsingenieurswesens gehöre der Studiengang Erneuerbare Energien. Ein wesentlicher Bestandteil dabei, so Professorin Andrea Heilmann im Volksstimme-Gespräch, umfasse die Wirtschaftlichkeit bei der Erzeugung von regenerativen Energien. Heilmann: "In Zukunft wird immer öfter zu klären sein, wer kann sich welche Energie und wie viel davon leisten?"