Tangermünde. "Wir fordern Papiertarif". Mitarbeiter des Zellstoffwerkes Stendal stehen hinter diesem Aufruf und treten damit an die Geschäftsführung des Unternehmens heran. Unterstützt werden sie dabei von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BEC). Dessen Gewerkschaftssekretär Dirk Lehnert hatte gestern Nachmittag zu einer ersten Aktion nach Tangermünde eingeladen. Etwa 100 Zellstoffwerkmitarbeiter waren dem Aufruf gefolgt.

Grund für die Veranstaltung: Bislang habe Geschäftsführer Niklaus Grünenfelder Tarifverhandlungen abgelehnt, so Lehnert. Mit der Veranstaltung setzten die Mitarbeiter ein Signal. "Wir sind kampfbereit", erklärte Lehnert. Lenke die Arbeitgeberseite nicht ein, so werde es in nächster Zeit Warnstreiks geben. Mit Flugblatt- und T-Shirtaktionen hatte die IG BEC die Arbeitnehmer in den vergangenen Tagen mobilisiert.

"Wir wollen, dass der Arbeitgeber sich mit uns an einen Tisch setzt", brachte es Jan Melzer von der Tarifkommission auf den Punkt. Nicht von heute auf morgen sollten 100 Prozent Tariflohn gezahlt werden. "Wir lassen mit uns verhandeln", so Melzer. Bislang bekämen die Zellstoffwerker durchschnittlich 78 Prozent des Lohnes, der im Flächentarif Papier Ost verankert sei. Als eines der größten und modernsten Werke seiner Art in Europa und mit einer wirtschaftlichen Kennzahl, die laut Aussage von Jan Melzer weit über der branchenüblichen liege, müssten die derzeit 406 Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die Gewerkschaft der Geschäftsführung Tarifgespräche angeboten. Die wurden abgelehnt.