New York/Berlin (dpa). Keine 10 Dollar im Monat zahlen und dafür unbegrenzt Filme und Serien schauen? Das ist ein Angebot, bei dem die Amerikaner nicht widerstehen konnten. Mehr als 15 Millionen nutzen die Online-Videothek Netflix. Über den Computer oder den internetfähigen Fernseher kommen die Hollywood-Streifen ins heimische Wohnzimmer. Der Gang zur Videothek entfällt.

So viel Komfort, gepaart mit einem unschlagbaren Preis bedeutet den Todesstoß für viele klassische Videoverleiher. Vergangene Woche hat es die größte Videotheken-Kette der USA, Blockbuster, erwischt. Sie musste Insolvenz anmelden. Der Betrieb läuft zwar weiter und dank einer Einigung mit den Geldgebern dürfte das Unternehmen am Ende überleben. Doch die Zahl der noch mehr als 5000 Filialen wird schrumpfen.

Seit Jahren geht es mit Blockbuster abwärts: Vor drei Jahren lag der Umsatz noch bei 5,5 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr brach er auf 4,1 Milliarden Dollar ein. Dafür stiegen die Verluste. Netflix im Kontrast dazu baut sein Geschäft kontinuierlich aus und fährt satte Gewinne ein. Und zu Netflix gesellen sich immer weitere Online-Videoanbieter.

Ganz so dramatisch sieht es in Deutschland noch nicht aus. Doch auch hierzulande leiden die zuletzt noch rund 3000 Videotheken. Der Branchenverband zählte 2009 7,8 Millionen Kunden. Zwei Jahre zuvor waren es noch 9,1 Millionen. Mit dem Aufkommen der Automatenvideotheken sinken auch noch die Preise. 2007 kostete eine Leihe 2,53 Euro, 2009 waren es 2,44 Euro.

Im Vergleich zu Netflix und Co. ist das immer noch teuer. Und so wechseln auch in Deutschland immer mehr Zuschauer zum Online-Film. Nummer eins unter den Anbietern von Filmen über das Internet ist die Deutsche Telekom. Auch andere Telekommunikationskonzerne wie Vodafone oder O2 drängen ins Geschäft. Konkurrenz macht ihnen der Bezahlfernseh-Anbieter Sky.

In Deutschland leiden viele Angebote aber noch darunter, dass Filme zu spät ins Online-Angebot kommen, während die Videotheken sie längst haben. Das ist in den USA anders. Netflix stellt sicher, dass seine Kunden stets die aktuellsten Produktionen sehen können: Neben dem Online-Streaming verschickt das Unternehmen auch noch DVDs und Blu-ray-Discs. Die Konkurrenz konzentriert sich dagegen auf das Internet: Da gibt es die Website Hulu. Dahinter stecken US-Medienkonzerne, die ihre Serien noch einmal ausstrahlen. Apple drängt über seinen iTunes Store ins Videogeschäft, genauso wie der Online-Händler Amazon oder Google mit seiner Videotochter YouTube und der geplanten Plattform Google TV. Am Ende, sagen Experten, werden nicht nur die klassischen Videotheken unter den Online-Videos leiden, sondern auch das Fernsehen.