Einen ähnlich dramatischen Absturz des Goldpreises wie zu Wochenbeginn gab es vor mehr als 30 Jahren. Verschwörungstheorien schießen ins Kraut.

Wird der Goldpreis noch weiter stark abrutschen?

Der starke Preisverfall der letzten Handelstage ist vorerst gestoppt. Vor allem in Asien sei wieder verstärkt Gold gekauft worden, sagten Experten.

Was hat den massiven Preisrutsch bei Gold ausgelöst?

Zunächst ist Gold als sicherer Hafen für Anleger derzeit weniger gefragt. Obwohl weltweit führende Zentralbanken wie die US-Notenbank oder die japanische Notenbank ihre Geldschleusen weit geöffnet hatten, rechnen Ökonomen nur mit einer vergleichsweise geringen Inflation. Zudem hat sich die Euro-Schuldenkrise entspannt. Deshalb war es keine Überraschung, als die US-Investmentbank Goldman Sachs am 10. April eine Verkaufsempfehlung für Gold veröffentlichte. Eine wichtige Rolle spielten Großinvestoren wie der Milliardär George Soros. Die Meldung, dass Soros Ende vergangenen Jahres massiv Geld aus dem weltgrößten Goldfonds abgezogen hatte, ließ bei den Investoren sämtliche Alarmglocken schrillen. Dann dürfte ein Herdentrieb eingesetzt haben, der den Goldpreis abstürzen ließ.

Gibt es beim Gold den Verdacht einer Preismanipulation?

In Internetforen kann man sich vor Verschwörungstheorien um den Goldpreis kaum retten. Aber selbst in Analysen seriöser Geldhäuser wie dem Frankfurter Bankhaus Metzler wird solchen Theorien Platz eingeräumt. Gewinnen doch große institutionelle Investoren gewaltig am fallenden Goldpreis, wenn die entsprechenden Wetten aufgehen.

Wird dem Verdacht der unerlaubten Absprachen beim Goldpreis nachgegangen?

Ja, im Zuge des Libor-Skandals sind die Aufsichtsbehörden offenbar aufmerksamer geworden, vor allem in den USA. Bart Chilton, Vorstandsmitglied der US-Behörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC), sagte kürzlich dem "Handelsblatt" auf die Frage nach der Preisfindung am Goldmarkt: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Marktteilnehmer unser Vertrauen nicht verdient haben."

Wie entsteht der Goldpreis?

Der für den Handel mit Gold entscheidende Preis entsteht beim sogenannten Goldpreis-Fixing in London. Das läuft nach einem alten Ritual ab. Fünf große Banken, darunter auch die Deutsche Bank, schalten sich zweimal täglich zu einer Telefonkonferenz zusammen. Immer um 10.30 Uhr (Ortszeit) am Vormittag und um 15 Uhr am Nachmittag. Bei dieser Zusammenkunft wird ein Preis vorgeschlagen, der dann an die Kunden weitergegeben wird. Finden sich genug Käufer und Verkäufer, wird der Preis gefixt und gilt dann weltweit bis zur nächsten Telefonkonferenz.

Zumindest die US-amerikanische Finanzaufsicht scheint an dieser Vorgehensweise ihre Bedenken zu haben. Mit Blick auf das Goldpreis-Fixing sagte Chilton dem "Handelsblatt": "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser". (dpa)