Cobbel/Hohenseeden. Die Spargelernte hat wegen des langen Winters erst zu Wochenbeginn eingesetzt - mit dreiwöchiger Verspätung. Nun wird eine Spargel-Schwemme befürchtet, die den Preis drückt.

Am Dienstag dieser Woche stachen polnische Erntehelfer auf einem Feld der Agrar-Genossenschaft Hohenseeden (Jerichower Land) den ersten Spargel - am 23. April, da liegt in anderen Jahren das Stangengemüse schon tonnenweise im Kühlhaus. "Nur vier Kisten voll haben sie vom Feld mitgebracht", erzählt Martin Rümschüssel, bei der Genossenschaftsleitung zuständig für die Spargelernte. "Aber, wenn es frühlingshaft warm bleibt, rechnen wir zum Ende der Woche mit den ersten zwei, drei Tonnen Spargel", sagt er.

Mit 160 Hektar Anbaufläche gehören die Hohenseedener zu den größten Spargelbauern in Sachsen-Anhalt. Nach normalen Wintern wird das Stangengemüse in der ersten Aprilwoche zum ersten Mal gestochen und der Ernteertrag steigert sich dann langsam. Doch der überwiegende Teil der knapp 70 polnischen Erntehelfer musste in Hohenseeden erst gestern anreisen.

Die Elbe sorgt für mildes Klima auf den Spargeläckern

Mit Folgen für den Spargelpreis. In diesem Jahr könnte der Markt plötzlich mit großen Mengen Spargel zugeschüttet werden, wenn es richtig warm wird. Rümschüssel: "Zu befürchten ist eine Spargel-Schwemme, die den Preis unter Druck setzt." Das ist zwar gut für die Spargelfreunde, aber schlecht für das Geschäft der Bauern.

Der Verkauf von Spargel soll dann beginnen, wenn die geernteten Mengen ausreichen - vermutlich am kommenden Wochenende. Und was soll der Spargel dann kosten? Die Hohenseedener Genossenschaft wollte gestern noch keinen Preis nennen. Der Altmärker Spargelhändler Tim Garlipp werde dann "um sieben Euro für ein Kilo mittlerer Qualität" nehmen, sagte er auf Nachfrage.

Der Spargelbetrieb von Familie Kalkofen in Cobbel bei Tangerhütte (Landkreis Stendal) verkauft bereits Spargel zum Kilopreis zwischen acht und zehn Euro. Dort ist das Kühlhaus schon etwas besser gefüllt. Einige Spargelflächen des 20 Hektar großen Anbaugebietes liegen in Elbnähe, was das Klima dort etwas milder macht.

"Am Montag haben wir das erste Mal geerntet", erzählt Gerhard Kalkofen. Ihre Spargel-fläche hat die Familie in diesem Jahr um fünf Hektar reduziert. Es soll nicht mehr produziert werden, als der Markt hergibt. "Die Alten sterben weg und die Jungen essen nicht so viel Spargel. Da müssen wir uns drauf einstellen", so der Spargelbauer.

Zu DDR-Zeiten war Kalkofen Vorsitzender der Genossenschaft und hat schon damals im Rahmen des Möglichen Spargel anbauen lassen. Nach der Wende hat er auf dem eigenen Acker viel mit verschiedenen Sorten experimentiert. Lassen sich unterschiedliche Sorten erschmecken? "Wir haben sogar mal ein Testessen mit Experten aus Berlin organisiert. Den deutschen Spargel haben sie immerhin herausgeschmeckt", erzählt er.

Acht verschiedene Sorten baut er heute an. Grund dafür sind in erster Linie unterschiedliche Boden- und Nährstoffvoraussetzungen auf seinen 20 Hektar Anbaufläche. So bekommt jede Sorte optimale Wachstumsbedingungen. Das Beste überhaupt sei Pferdemist. "Kein Hühner- oder Schweinemist, weil der zu schnell in den Boden geht. Da besteht die Gefahr der Überdüngung. Pferdemist ist optimal für Spargel."

Bei den Kalkofens hilft jeder mit, wenn die Spargelzeit beginnt. Auch Tochter Carmen - Mutter von drei Kindern - managt auf dem Acker das Geschehen oder organisiert den Verkauf. 30 Erntehelfer aus Polen haben die Kalkofens in einer eigens ausgebauten Scheune untergebracht. "Die meisten sind Stammkräfte, die jedes Jahr kommen", erzählt Carmen Kalkofen. Vor zwei Jahren habe es einen Engpass gegeben, weil plötzlich viele Polen in Westeuropa arbeiten wollten. "Aber das hat sich inzwischen wieder gelegt", so die Bäuerin.

In einem Punkt sind sich Martin Rümschüssel in Hohenseeden und sein Kollege Gerhard Kalkofen in Cobbel einig: Der Spargel kommt zwar spät, aber der Qualität des begehrten Gemüses wird dies nicht abträglich sein.

 

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