Im Winter 2009/2010 war die K+S-Tochter Esco in Bernburg angesichts des hohen Bedarfs an Streusalz an Grenzen gestoßen. Die Lagerkapazitäten des Unternehmens für Auftausalz in Deutschland wurden daraufhin um 100 000 Tonnen auf 900 000 Tonnen erweitert. Der Bedarf an Streusalz steigt jetzt wieder deutlich.

Bernburg (dapd). Uwe Hache montiert einen langen, armdicken Bohrer an seiner Maschine in mehr als 500 Meter Tiefe im Salzbergwerk in Bernburg. Der Bergmann bereitet mit seinen Bohrungen die nächste unterirdische Sprengung vor. 14 Löcher müsse er auf einer Fläche von etwa 80 Quadratmetern unterbringen, sagt der 33-Jährige, der sich mit Ohrstöpseln vor dem Lärm der Maschine schützt. Er greift sich ein weiteres Bohrgestänge, das er an die Maschine montiert.

Seit elf Jahren arbeitet Hache als Bergmann im Bernburger Werk der Esco – European Salt Company, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Kali + Salz AG. Angefangen habe er aber als Industriemechaniker über Tage, erzählt er. Jetzt sorge er mit seiner Arbeit für den nötigen Nachschub an Salz. Der Bergmann, der in Bernburg zu Hause ist, "untergräbt" damit sprichwörtlich seine Heimat.

Die Salzablagerungen, die unterhalb von Bernburg und der Region im Salzlandkreis zu finden sind, entstanden vor etwa 250 Millionen Jahren. Das Gebiet des Bergwerkes in Bernburg, das auf eine fast einhundertjährige Geschichte zurückblicken kann, erstrecke sich in Ost-West-Ausrichtung über mehr als sieben Kilometer, in Nord-Süd-Richtung über drei Kilometer, macht Grubenleiter Thomas Wolperding die Ausmaße deutlich. Das bedeute für die Kumpel nach ihrer Fahrt mit dem Korb unter Tage zum Teil lange Fahrzeiten, bis sie an ihren eigentlichen Arbeitsort gelangen.

Schichtweise wird in den riesigen Kammern das Salz abgebaut. Nach dem Ende der Frühschicht werde immer gesprengt, sagt Wolperding. Bei einer Sprengung ließen sich mit etwa einer Tonne Sprengstoff 5000 Tonnen Salz brechen, fügt er hinzu.

Wolperding spricht von mächtigen, bis zu 35 Meter starken Salzablagerungen und von einer hohen Reinheit des Salzes. Der Grubenleiter verweist auf ein Absperrband in der sogenannten Salzkammer, hinter dem es tief hinab geht. Dort unten fährt ein Fahrlader mit einer riesigen Schaufel das gebrochene Steinsalz ab und bringt es zu kilometerlangen Förderbändern. 17 Tonnen fasst die Schaufel des stählernen Ungetüms, dessen Reifen zwei Meter im Durchmesser groß sind.

12 000 Tonnen Steinsalz werden täglich in Bernburger Werk gefördert und zu Speisesalz, Salz für die chemische Industrie, für Geschirrspüler, für die Fischerei und für die Tiernahrung produziert. Jetzt steigt wieder deutlich der Bedarf an Streusalz. Nach dem harten vorigen Winter seien die Lagerkapazitäten des Unternehmens für Auftausalz in Deutschland um 100 000 Tonnen auf 900 000 Tonnen er- weitert worden, sagt der Vorstandsvorsitzende der K+S-Gruppe, Norbert Steiner. Auch das Personal sei aufgestockt worden.

Im Winter 2009/2010 war die K+S-Tochter Esco angesichts des hohen Bedarfs an Streusalz an die Grenzen ihrer Kapazitäten gestoßen. Zusätzlich zur Produktion in Deutschland habe das Unternehmen rund 400 000 Tonnen Auftausalz importieren müssen, sagt Esco-Geschäftsführer Reinhard Dust. Auch alle anderen Salzproduzenten seien damals an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. "Wir konnten nicht mehr binnen 48 Stunden liefern", räumt Dust ein.

Im vergangenen Jahr habe der Winter am 17. Dezember begonnen und am Ende des Jahres seien die Läger leer gewesen, sagt der Chef der für Streusalz zuständigen Esco-Tochter DSD, Matthias Stamm. Etwa vier Millionen Tonnen Auftausalz würden die Unternehmen des Verbandes der Kali- und Salzindustrie in diesem Jahr absetzen, das sei deutlich mehr als im bisherigen Rekordjahr 2005 mit mehr als 3,4 Millionen Tonnen.

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