Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in Sachsen-Anhalt weiter entspannt. Dies teilte gestern der Chef der hiesigen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, mit. Von 14 370 Ausbildungssuchenden waren Ende September noch 312 Bewerber ohne Ausbildungsplatz.

Magdeburg. Rechnerisch kamen im Berufberatungsjahr 2009/2010 hierzulande auf 100 Bewerber 95 Ausbildungsplätze – vor zwei Jahren gab es für 100 Bewerber 82 Plätze. "Die Schere von Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt hat sich fast geschlossen", sagte gestern der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius. Die Entwicklung sei im Geburtenrückgang begründet.

Während die Zahl der Lehrstellensuchenden im Land um 8,6 Prozent sank, ist das Angebot an Ausbildungsplätzen um 1,4 Prozent gestiegen. So standen 10 460 Lehrstellen zur Verfügung – 326 davon waren zum Beginn des neuen Lehrjahres noch unbesetzt. Freie Lehrstellen gab es unter anderem für Gästebetreuer, Körperpfleger, Bürokräfte, Elektriker, Schlosser, Tischler, Maler, Landwirte und Gartenbauer.

Hauptschüler werden zunehmend wichtiger

Nicht ohne Zuversicht präsentierte auch der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Magdeburg, Lutz Bartel, die Zahlen des zurückliegenden Beratungsjahres. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt habe sich im Agenturbezirk, zu dem auch die Landkreise Börde und Jerichower Land sowie der Altkreis Schönebeck gehören, weiter entspannt. So waren von 3658 Ausbildungssuchenden lediglich noch 33 ohne Ausbildungsplatz.

Der stetige Bewerberrückgang der vergangenen Jahre setzt sich weiter fort. So gab es allein im Agenturbezirk Magdeburg 337 Ausbildungssuchende weniger als noch im Vorjahr. 3658 Bewerbern standen hier 3225 Ausbildungsstellen gegenüber. Davon waren Ende September noch 36 Lehrstellen unbesetzt.

Der Bewerberrückgang stellt die Agentur und Unternehmen vor neue Herausforderungen. "Im Zuge der demografischen Entwicklung rückt nun die Vermittlung von Hauptschülern verstärkt in den Vordergrund", verdeutlicht Bartel. Die Schulabgängerzahlen hätten sich in den vergangenen Jahren schließlich halbiert. Schüler mit Hochschul- oder Fachholschulreife gingen verstärkt an die Universitäten und Hochschulen. Und auch Realschüler würden knapper.

Schüler sollten eine Chance bekommen

Hauptschüler haben für den Ausbildungsmarkt enorm an Bedeutung gewonnen. Das müssen nun auch Unternehmen erkennen. "Hierfür müssen die Betriebe ihre Anforderungen überdenken – was nicht heißt, dass sie die Anforderungen runterschrauben müssen", so Bartel. Es sei wichtig, dass auch Hauptschüler eine Chance bekommen, sich zu beweisen.

So eine Chance hat beispielsweise Lukas Höldke bekommen. Vor ein paar Monaten hat er in einem Magdeburger Raumgestaltungsunternehmen eine Ausbildung zum Bodenleger begonnen. Sein Chef Fredi Wolter ist sehr zufrieden mit dem 17-Jährigen. "Ich habe zahlreiche Bewerbungen auf dem Tisch gehabt", erzählt der Unternehmer. Darunter seien auch Abiturienten und Realschüler mit guten Noten gewesen. Überzeugt habe ihn letztlich das persönliche Gespräch mit Lukas. Der Hauptschüler hinterließ einen lernwilligen und freundlichen Eindruck. Alles andere könne man ihm schließlich in der Ausbildung beibringen. Meinung