Berlin (dpa). Nach dem Boomjahr 2010 sind Arbeitgeber wie Gewerkschaften für die Zukunft alles in allem positiv gestimmt. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erwartet, dass der wirtschaftliche Aufholprozess 2011 weitergeht und prognostiziert ein Wachstum von gut zwei Prozent. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht zwar immer noch Gefahren für die Konjunkturerholung. Doch wenn es gelinge, gegen Spekulation konsequent vorzugehen und die Binnenkonjunktur zu stärken, könnte Deutschland nach Ansicht von DGB-Chef Michael Sommer "am Beginn eines wirklich goldenen Jahrzehnts stehen".

Sommer sagte in Berlin, Voraussetzung dafür sei ein Kurswechsel. "Das, was wir heute in der Euro-Debatte erleben, ist nichts anderes als die Fortsetzung der Spekulation im Bereich der Währungen." Bekomme man dieses Problem nicht in den Griff, "dann allerdings könnte der Aufschwung schneller gefährdet sein, als man denkt".

IG-Metall-Chef Berthold Huber erwartet für die nächsten eineinhalb Jahre eine einigermaßen stabile Wirtschaftsentwicklung. Anlass zu euphorischen Aussagen sieht er aber nicht. Vielmehr sei künftig mit deutlich stärkeren Schwankungen der Wirtschaftsentwicklung zu rechnen. "Dafür brauchen wir die richtigen Instrumente, die nicht von vornherein verteufelt werden dürfen." Dazu zählten Kurzarbeit und neue tarifliche Regelungen zu flexiblen Arbeitszeiten.

Auch die Arbeitgeberseite in der Metall- und Elektroindustrie geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2011 auf Aufholkurs bleibt – wenn auch mit verlangsamtem Tempo. Die Euro-Krise sei dabei als größeres Risiko zu sehen, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser. 2011 könne die Branche mit einem Anstieg der Produktion von mindestens fünf Prozent rechnen. "2012 wäre dann in der ganzen Breite wieder eine Normalauslastung erreicht."

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben in ihren jüngsten Prognosen von Mitte Dezember für 2011 ein deutliches Wirtschaftswachstum vorhergesagt. So rechnen das Institut für Weltwirtschaft Kiel und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle mit einem Plus von 2,3 Prozent, das Münchener ifo-Institut geht von 2,4 Prozent aus und das Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung sagt sogar einen Zuwachs von 2,5 Prozent vorher.Meinung