Fulda (dpa). Die neue Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat von der Bundesregierung eine Wende zugunsten des Schienenverkehrs gefordert. Dafür sei ein Masterplan für den gesamten Verkehr in Deutschland notwendig, heißt es in einem Positionspapier, das gestern auf dem Gründungskongress der Gewerkschaft in Fulda verabschiedet wurde. Die EVG hatte sich am Vortag aus Transnet und GDBA gebildet.

Der "Masterplan Verkehr" müsse "ein Konzept für den Personenverkehr beinhalten, das den Erhalt und den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur sichert", stellte die Gewerkschaft fest. Die EVG fordert "eine Investitionsoffensive für die Schieneninfrastruktur". Jährlich müssten mindestens eine Milliarde Euro in den Neu- und Ausbau von Schienenwegen fließen. Der jüngst vom Bundesverkehrsministerium vorgelegte Aktionsplan sei ein Rückschritt im Vergleich zum Masterplan Güterverkehr und Logistik 2008.

Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner sagte, die neue Gewerkschaft solle in den Betrieben und bei den Mitgliedern mehr Präsenz zeigen. "Alles muss sich am Mitglied orientieren." Mit dem Zusammenschluss der zuvor eigenständigen Gewerkschaften Transnet und GDBA hat sich die EVG mit insgesamt rund 240 000 Mitgliedern gegründet. DGB-Chef Michael Sommer nannte den Zusammenschluss "historisch". Er verteidigte das Konzept der Einheitsgewerkschaft.

Die erste große Aufgabe der neuen Organisation steht morgen an. Dann beginnt in Berlin die Schlichtungsrunde zum Tarifstreit mit der Deutschen Bahn und sechs privaten Bahnbetreibern. "Wir wollen einen gemeinsamen Branchentarifvertrag", sagte Kirchner. "Und ich bin mir sicher, dass wir ihn durchsetzen werden."

Bahnchef Rüdiger Grube wertete die EVG nicht als Bedrohung. "Ich warte seit 580 Tagen auf diesen Schritt. Für die Mitglieder sind zwei Gewerkschaften schwer verständlich." Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske sagte: "Polemik zwischen den Gewerkschaften nützt uns nichts."

Die Lokführergewerkschaft GDL hatte einem EVG-Angebot zum Zusammenschluss eine Absage erteilt und die Fusion von Transnet und GDBA kritisiert. "Aus Größe entsteht keine Stärke: Wenn sich zwei schwache Gewerkschaften zusammentun, wird erst recht keine starke daraus", hatte GDL-Chef Claus Weselsky gesagt. EVG-Vize Klaus-Dieter Hommel: "Die GDL hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt."