Ab heute stehen die Premiumwürstchen aus der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik unter dem EU-Schutzsiegel "geschützte geografische Angabe". Seit dem Firmenerwerb hat sich Inhaber Ulrich Nitsch um den Markenschutz bemüht, der nach der deutschen Wiedervereinigung erloschen war.

Halberstadt. In der Fabrik werden Suppen gerührt und Fertiggerichte gekocht, Wurstspezialitäten hergestellt sowie Wiener und Bockwürste produziert. Die Würste gibt es – dem Billigwahn im Einzelhandel geschuldet – in der preiswerten Variante aus dem Industrierauchverfahren. Aber es gibt sie auch etwas teurer nach dem patentierten Halberstädter Kaminrauchverfahren. Dieses Premiumwürstchen ist ab sofort europaweit vor Nachahmung geschützt.

Mit dem Eintrag in das Register der geschützten geografischen Angaben für Fleischerzeugnisse ist nun garantiert, dass nur die Halberstädter Würstchen, die diesen speziellen Herstellungsprozess durchlaufen haben und in Halberstadt produziert wurden, unter diesem Namen verkauft werden dürfen.

Von Billigwürsten unterscheide sich das Halberstädter Kaminrauch-Würstchen sowohl durch die Zutaten als auch durch die Verarbeitung. "Wir verwenden keine fertigen Brühwurstmischungen, wir zerlegen das Fleisch selbst. Da wissen wir, dass es frisch ist und was wir weiterverarbeiten", erklärte Senior Ulrich Nitsch, der die Geschäftsführung an seine Kinder Silke Erdmann-Nitsch und Stefan Nitsch übergeben hat. Geliefert werden die Fleischteile aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Auch Schinken komme in die Wurst, betonte Nitsch.

Ist die Wurstmasse inklusive hauseigener Gewürzmischung in den Naturdarm gepresst, kommen die Würste in eine Trockenkammer und werden auf Temperatur gebracht. Die Feuchtigkeit müsse stimmen, damit die Würste den Rauch optimal aufnehmen, erklärte Stefan Nitsch. Dann kommen die Würste in die Räucherkammer und hängen eine Stunde im Buchenrauch. Der mit Schamottsteinen gemauerte Kamin ziehe Rußbestandteile an. So sei es möglich, die Würste dunkel zu räuchern, ohne die Schadstoffgrenzwerte zu überschreiten. Anschließend werden die Würste gebrüht, dann reifen sie 24 bis 36 Stunden. Auch die Hausflora in diesem Raum trage zum unverwechselbaren Geschmack der Würste bei, erklärten die Nitsches.

Es sei immer schwierig, dem Handel die Einzigartigkeit des Produktes zu vermitteln, sagte Silke Erdmann-Nitsch. "Aber jetzt haben wir das Siegel." Entsprechende neue Etiketten sind bestellt. In den nächsten Wochen werden die mit dem EU-Siegel versehenen Produkte in den Marktregalen ankommen. Das Durchhaltevermögen habe sich gelohnt. Viele Verfahren mussten durchgekämpft werden, um die Halberstädter Würste aus dem Lebensmittelbuch zu eliminieren, das es jedem Metzgermeister erlaubte, die Würste herzustellen, um Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, die die Marke für sich in Anspruch nehmen wollten, und um den Markenschutz in Deutschland und nun EU-weit zu erlangen.

Im vergangenen Jahr sei der Umsatz etwas zurückgegangen, die Firma schreibe aber schwarze Zahlen, sagte Ulrich Nitsch. Sie sei "wirtschaftlich gesund". Insgesamt beschäftigt das Familienunternehmen, zu dem auch die Heine-Brauerei und zwei Hotels gehören, 250 Mitarbeiter, davon 150 in der Produktion.