Der 135 Meter hohe Turm aus Spezialbeton wurde bereits im Frühjahr errichtet. Seit gestern nun beginnt auf dem Werksgelände von Enercon in Magdeburg-Rothensee die Endmontage an der "E 126", das weltweit größte Windkraftanlagenmodell. 14 Tage sollen die Arbeiten dauern.

Magdeburg. Neun Uhr. Ganz langsam lässt Kranfahrer Ray Werner die 140 Tonnen schwere und 16 Meter hohe Maschinenhaus-Gondel auf den Betonturm niedersinken. Mit zwei Steuerhebeln zwischen Daumen und Zeigefinger leistet er Millimeterarbeit. Über Funk, vier Bildschirme und ein Glasdach für den Blick nach oben hält er Kontakt. In 135 Metern Höhe überwachen sechs Enercon-Techniker in der Gondel das Aufsetzen.

Mit dutzenden Schrauben werden die Gondel und der Turm verbunden. "Das ist, als wenn die Hausfrau mehrere Nadeln mit einem Mal einfädeln muss", sagt Hauptkranführer André Engel schmunzelnd. Die Maschinenhaus-Gondel sei trotzdem vergleichsweise einfach einzuhängen. Wenn nach dem Generator die Nabe folgt, wird es schon schwieriger. 330 Tonnen ist diese Nabe schwer. An ihr hängen bereits vormontiert jeweils die Hälfte der drei Flügel. Auch die Nabe wird passgenau mit 220 Schrauben angeschraubt. 127 Meter wird der Rotordurchmesser am Ende, wenn alle Flügel fertig angebaut sind, betragen.

Mit fast 200 Meter Höhe sprengt die "E 126" alle bisherigen Windkraftanlagengrößen. Es ist bislang der weltweit größte Windkraftanlagentyp. Die "E 112"-Windräder bei Egeln (Salzlandkreis) und Dardesheim (Harzkreis) sind auch Riesen, aber etwa 18 Meter kleiner. So ist der Bau der "E 126" am Rand des Werksgeländes von Enercon in Rothensee selbst für die Mitarbeiter eine Attraktion. Die Montage der Maschinenhaus-Gondel verfolgen viele Beschäftigte trotz nasskühler Witterung.

Die Rothenseer "E 126" wird der 25. Turm dieser Bauart sein, der in Europa errichtet wurde. Trotzdem will man bei Enercon noch nicht von einer Serienfertigung sprechen. Auch die Rothenseer Anlage sei noch ein Pilotprojekt. Sie leistet mit 7,5 Megawatt mehr als die ersten "E 126"-Modelle. Der Bau der "E 126" direkt auf dem Werksgelände soll auch helfen, diesen Anlagentyp weiter zu verbessern.

Technisch fast ebenso imposant wie die Windkraftanlage selbst ist der Kran, mit dem sie gebaut wird. Streng genommen wird die "E 126" mit drei Kränen gebaut. André Engel: "Wir benötigen zunächst einen 80-Tonnen-Telekran, um den kleinen ,LR 1200‘ aufzubauen." Der "Kleine" steht auf imposanten Ketten und würde ausreichen, mit seiner Hilfe ein mehrstöckiges Gebäude zu errichten. Mit dem "LR 1200" wird dann der riesige "CC 9800" aufgebaut. Engel: "Das dauert etwa fünf Tage."

Dieser Kran erreicht eine Höhe von 160 Metern. Um die 330 Tonnen schwere Windkraft-Nabe zu ziehen, wird der Kran mit 240 Tonnen Schwebeballast abgesichert. Der Koloss gilt derzeit in Europa als größter mobiler Kran. Enercon setzt zwei solcher Kräne für den Bau von "E 126"-Anlagen ein. Anschaffungspreis? Engel überlegt kurz: "Also mit diversen Zusatzgeräten kommt man schon auf knapp 15 Millionen Euro."

Das Energieherz der Windkraftanlage, der riesige Generator, soll heute gezogen werden. Dazu darf der Wind aber nicht mehr als acht Meter pro Sekunde wehen – dies entspricht etwa Windstärke 2. André Engel kratzt sich am Hinterkopf. "Das wird wohl klappen. Aber für Donnerstag ist stürmisches Wetter vorhergesagt." Dann ruht die Arbeit vorerst. Engel: "Aber länger als 14 Tage brauchen wir eigentlich nie. Wir arbeiten auch am Wochenende oder zur Not nachts." Rothensee ist für den Enercon-Mitarbeiter aus dem Stammwerk Aurich bekanntes Terrain. "Ich kenne das Werk Rothensee von Anfang an. Toll, wie sich das hier entwickelt hat." Wenn die Rothenseer "E 126" steht, geht es weiter zur nächsten Baustelle. Engel: "Lausitzring oder Österreich. Das weiß ich jetzt nicht so genau."

   

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