Berlin/Potsdam (dpa) l Rund 250 Schleusenwärter in Berlin und Brandenburg haben am ges- trigen Donnerstag ihre Arbeit niedergelegt. An mehr als 50 Schleusen wurde den ganzen Tag über gestreikt; teils bis Schichtende um 22 Uhr, wie Manfred Loos, Sprecher von Verdi Berlin-Brandenburg, mitteilte. Sollte das Bundesverkehrsministerium nicht auf den Protest reagieren, sei auch ein bundesweiter Streik denkbar. "Und das längerfristig." Dies bedeute, dass im Prinzip die gesamte deutsche Binnenschifffahrt lahmgelegt werde, sagte Loos. "Wir hoffen, dass Herr Ramsauer an den Verhandlungstisch kommt."

Eine Blockade aller Schleusen in Deutschland ist laut der Gewerkschaft schon in naher Zukunft denkbar. Innerhalb von einer Woche sei das Bundesministerium zu Gesprächen aufgerufen. Hintergrund des Arbeitskampfes ist die geplante Verwaltungsreform des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSV). Verdi fürchtet einen Wegfall von bis zu 3000 der bundesweit 12000 Stellen. Das Bundesverkehrsministerium hat wiederholt eine umfassende Absicherung der Beschäftigten bei der WSV-Reform betont. So seien betriebsbedingte Kündigungen, Versetzungen gegen den Willen der Betroffenen und finanzielle Einbußen ausgeschlossen. Diese Zusagen seien verbindlich auch über die Wahl hinaus und böten "einen besseren Rechtsschutz als ein Tarifvertrag", hatte ein Sprecher erst am Mittwoch gesagt. Streiks hätten daher keine Basis.

Zeitgleich streikten auch Schleusenwärter flächendeckend in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Berufsschifffahrt wurde in den betroffenen Gewässer-Abschnitten unterbrochen, zahlreiche Wassersporttouristen konnten ihre Fahrt nicht fortsetzen und Ausflugsschiff-Betreiber mussten ihre Fahrpläne einschränken.