Hamburg (dpa). Seit Monaten steht der Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, in der Kritik. Nun scheint seine Abberufung ausgemachte Sache zu sein.

Der umstrittene Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, steht nach "Spiegel"-Informationen vor dem Aus. Heute wollen die Regierungen der Haupteigner, Hamburg und Schleswig-Holstein, den Aufsichtsrat um die Entlassung bitten, hieß es gestern bei "Spiegel Online". Darauf hätten sie sich am Sonntag geeinigt.

Der Chef des Aufsichtsrates, Hilmar Kopper, solle beauftragt werden, einen Nachfolger für Nonnenmacher zu suchen. Sollte Kopper dies verweigern, soll der Rauswurf in einer außerordentlichen Hauptversammlung durchgesetzt werden. Mit zusammen 85,5 Prozent sind die beiden Länder die größten Anteilseigner an dem Institut.

Noch am Montagvormittag kündigte Nonnenmacher an, sich künftig nicht mehr zu den sogenannten Bespitzelungsaffären und Abhörskandalen zu äußern – weder öffentlich noch in nichtöffentlichen Sitzungen. Er habe dies seinem Mandanten geraten, sagte der Rechtsbeistand Nonnenmacher kurz nach Beginn einer Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur HSH Nordbank in Kiel.

Die kleinen Koalitionspartner der CDU, die FDP in Kiel und die Grünen in Hamburg, fordern die fristlose Entlassung, weil Nonnenmacher kein Vertrauen mehr habe und Schaden von der HSH Nordbank abgewendet werden müsse. Bislang hat Nonnenmacher den Rückhalt des Aufsichtsrats.

Zu Beginn der Sitzung des Untersuchungsausschusses in Kiel hatte Nonnenmacher in einer kurzen Erklärung noch einmal den Vorwurf, die von der HSH Nordbank engagierte Sicherheitsfirma Prevent AG habe eine FDP-Veranstaltung am 22. Juli 2009 bespitzeln lassen, als "blanken Unsinn" zurückgewiesen. Es habe sich bei der Diskussion zum Thema "HSH Nordbank – vom Bankenstar zum Finanzwrack" um eine öffentliche Veranstaltung mit 300 Teilnehmern gehandelt, über die es im Internet eine mehr als zweistündige Aufzeichnung gebe. "Ich empfehle allen, sich dieses Video anzuschauen", sagte Nonnenmacher. Im Nachhinein betrachtet sei aber das Verhalten der Prevent AG nicht angemessen gewesen.

Im Raum stehen Vorwürfe, die Bank habe gegen eigene Mitarbeiter falsche Verdächtigungen erhoben, um sie entlassen zu können, und Politiker ausforschen lassen. Nonnenmacher hat dies mehrfach bestritten.