New York (dpa). Ein Jahr nach der Beinahepleite kehrt General Motors (GM) in private Hände zurück: Mit dem wahrscheinlich größten Börsengang aller Zeiten löst sich der US-Autokonzern aus der staatlichen Obhut. "General Motors‘ Börsengang stellt nicht nur einen großen Meilenstein für eine Kultfirma dar, sondern für die gesamte amerikanische Autoindustrie", sagte Präsident Barack Obama.

Die Aktie des Opel-Mutterkonzerns sprang gestern gleich zu Handelsbeginn um 6 Prozent auf 35 Dollar hoch und verteuerte sich in den folgenden Minuten kontinuierlich. GM hatte die Aktien mit 33 Dollar bereits teurer angeboten als ursprünglich geplant.

GM will an der Börse zwischen 20,1 und 23,1 Milliarden Dollar einsammeln. Am Ende könnte GM den bisherigen Spitzenreiter in den Schatten stellen. Die Agricultural Bank of China hatte im Sommer 22,1 Milliarden Dollar bei ihrem Börsengang eingenommen.

Das Comeback ist bemerkenswert: Die US-Regierung hatte GM mit einer Finanzspritze von 49,5 Milliarden Dollar vor dem Untergang bewahrt und einen Neustart ermöglicht. Das Unternehmen ließ die Megaverluste der Vergangenheit hinter sich und gilt heute wieder als einer der aussichtsreichsten Autobauer der Welt. Nur die deutsche Tochter Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall gelten noch als Sorgenkinder, weil die Europäer sich mit Autokäufen zurückhalten.

Die Hilfen für die US-Autoindustrie hätten schwere Entscheidungen und Opfer verlangt, sagte Obama. Es seien dadurch aber Jobs gerettet und eine Industrie vor dem Untergang bewahrt worden. "Wir sind denen dankbar, die uns in den schweren Zeiten beigestanden haben", sagte GM-Finanzchef Chris Liddell.

Nach einer aktuellen Studie des Center for Automotive Research haben die staatlichen Finanzspritzen im Krisenjahr 2009 mehr als 1,1 Millionen Jobs bei Zulieferern und Herstellern gesichert. Der Steuerzahler hatte auch den kleineren Rivalen Chrysler stützen müssen. Der strebt mittelfristig ebenfalls wieder an die Börse; noch schreibt Chrysler aber Verluste. Nur die Nummer zwei im Land, Ford, überlebte aus eigener Kraft.

Die USA werden auch nach der Rückkehr von GM an die Börse mindestens 33 Prozent der Anteile halten und diese erst nach und nach verkaufen. Bis dato war die US-Regierung mit 61 Prozent beteiligt. Kanada und die Autogewerkschaft UAW bringen ebenfalls Teile ihrer Aktienpakete unters Volk. Der vierte im Bunde, die Gläubiger der alten GM, halten vorerst an ihren Anteilen fest.

Zu den neuen Investoren gehören Staatsfonds aus Asien und dem Nahen Osten, die ein Faible für die Autoindustrie haben. Auch der langjährige chinesische GM-Partner SAIC hat sich nach US-Medienberichten ein knappes Prozent gesichert.