In Sachsen-Anhalt wird die Arbeitslosigkeit 2011 nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit deutlich zurückgehen. "Davon gehe ich aus", sagte gestern der Chef der Regionaldirektion in Halle, Kay Senius.

Halle (dpa/dapd). Wie Senius sagte, könnte der Rückgang bei mehr als 6,5 Prozent liegen. Diesen Rückgang hatte das Institut für Arbeitmarkt- und Berufsforschung für Sachsen-Anhalt vorhergesagt. Er rechnet damit, dass in "guten Arbeitsmarktmonaten" landesweit eine Arbeitslosenquote von unter zehn Prozent erreicht werden kann.

Dazu wollen die Arbeitsagenturen noch mehr für die Qualifizierung sowie berufliche Neuorientierung von Arbeitslosen und Benachteiligten tun, um sie als Fachkräfte für die Wirtschaft fit zu machen. Das betreffe alle Altersgruppen und vor allem auch Langzeitarbeitslose, an denen die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt bisher weitgehend vorbeigegangen sei. So seien rund 40 Prozent aller Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt länger als ein Jahr ohne Job.

Allerdings gebe es immer mehr befristete Arbeitsverträge, Zeitarbeit und Teilzeit. "Das unbefristete Beschäftigungsverhältnis ist fast die Ausnahme", sagte Senius. Bundesweit werde jedes zweite neue Arbeitsverhältnis nur für einen bestimmten Zeitraum eingegangen. In Sachsen-Anhalt sind laut Regionaldirektion 78 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Jobs (Stand November) befristete Stellen, 22 Prozent nur unbefristet. Betroffen sei vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen. Allerdings sei gerade dies der größte Wachstumsbereich, sagte Lutz Mania, Mitglied der Geschäftsführung der Regionaldirektion, vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft. "Da besteht ein immenser Fachkräftebedarf."

Auch in der Gastronomie und im Reinigungsgewerbe gibt es vielfach nur noch befristete Arbeitsverträge oder 400-Euro-Jobs. Angesichts des Bedarfs an Fachkräften appellierte Senius erneut an die Unternehmen, mehr auszubilden und ältere Beschäftigte zu qualifizieren, um deren Kompetenz in der Firma zu halten.

Mitte November waren 130 600 Menschen zwischen Altmark und Zeitz arbeitslos gemeldet, 3500 weniger als im Oktober und 19 700 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote ging binnen Monatsfrist um 0,3 Punkte auf 10,8 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie bei 12,2 Prozent gelegen.

Mit Blick auf die jüngste Entwicklung und Prognose sprach Senius auch von einem "demografisch beeinflussten Prozess". Bis zum Jahr 2025 gehe die Zahl der Bevölkerung von derzeit 2,34 Millionen um 25 Prozent zurück, die der Erwerbstätigen sinke sogar um 30 Prozent. Bis zum Jahr 2016 müssten etwa 100 000 Stellen aus Altersgründen der Beschäftigten neu besetzt werden. Hinzu kämen 100 000 Stellen, die durch "Expansion" der Unternehmen benötigt würden, sagte der Regionalchef. Damit könnte rein rechnerisch bereits im Jahr 2015/2016 in Sachsen-Anhalt eine Vollbeschäftigung erreicht werden.