Die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsverbände in Sachsen-Anhalt haben für das Jahr 2010 eine überwiegend positive Bilanz der Arbeit der Wohnungsunternehmen im Land gezogen. Schwerpunkt bleibe der Stadtumbau.

Magdeburg. Die 205 kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen in Sachsen-Anhalt haben in den Jahren 2002 bis 2009 rund 60 000 Wohnungen abgerisssen, gleichzeitig aber auch 2,8 Milliarden Euro in die Sanierung und Modernisierung der Wohnungsbestände sowie in die Aufwertung des Wohnumfeldes investiert.

"Die erste Phase des Stadtumbaus konnte erfolgreich abgeschlossen werden", bilanzierten gestern in Magdeburg die Direktoren der beiden wohnungswirtschaftlichen Verbände, Jost Riecke und Ronald Meißner. Insbesondere die Internationale Bauausstellung (IBA 2010) habe wichtige Signale gesetzt und den Stadtumbau Sachsen-Anhalt zu einer bekannten Marke entwickelt.

In der nunmehr begonnenen und bis 2016 dauernden zweiten Phase des Stadtumbaus wollen die Wohnungsunternehmen landesweit noch einmal 50 000 bis 60 000 Wohnungen vom Markt nehmen, kündigten Riecke und Meißner an.

Hauptgrund sei die demografische Entwicklung mit in den kommenden Jahren massiv schrumpfenden Bevölkerungszahlen. "Wir erwarten für Sachsen-Anhalt allein im nächsten Jahr einen Bevölkerungsrückgang von 30 000 Menschen", schickten die Direktoren voraus.

Zur Zeit bewirtschaften und verwalten die Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften in Sachsen-Anhalt etwa 375 000 Wohnungen, in denen insgesamt mehr als 700 000 Mieter wohnen. Der Wohnungsleerstand liege bei 13 Prozent.

Die Wohnungswirtschaft appellierte an den Bund, den Stadtumbauprozess nicht zu gefährden und erneuerten ihre Forderung, die aus der DDR-Zeit herrührende Altschuldenproblematik im Zuge des Wohnungsabrisses endlich zu lösen. "Wohnungen weg, Schulden weg", brachte es Riecke auf den Punkt.

Die Verbände zogen nicht nur für dieses Jahr eine überwiegend positive Bilanz, sie taten dies auch für die vergangenen 20 Jahre, in denen die Wohnungswirtschaft insgesamt 16 Milliarden Euro investiert habe. Dies sei eine Bilanz, die ihresgleichen suche, hielten Riecke und Meißner fest: "Das Wohnen ist sicher, gut und bezahlbar. Die Städte waren in den vergangenen 60 Jahren noch nie so attraktiv wie heute."

Fusionen zwischen Wohnungsunternehmen sind laut Riecke und Meißner kein vorrangiges Thema. Nicht nur, dass dem die Erhöhung der Grunderwerbssteuer von 3,5 auf 4,5 Prozent entgegenstünde, auf diese Weise ließen sich auch Probleme wie Abriss und Aufwertung der Bestände nicht lösen. Auch der Leerstand werde dadurch keineswegs geringer. Außerdem würde es kaum zu tatsächlichen Einsparungen kommen, zumal in den Unternehmen die Personalkosten unter zehn Prozent lägen. Das Zusammengehen mache dann Sinn, wenn damit die Angebote an unterschiedlichen Wohnungen auf dem Markt erweitert werden könnten.

Meißner kritisierte zudem die "erkennbare Tendenz", die Angemessenheitskriterien der Kosten der Unterkunft für die Bezieher des Arbeitslosengeldes II zu reduzieren. In den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungen im Land leben gegenwärtig rund 100 000 Hartz-IV-Empfänger. Diese, so Meißner, müssten auch künftig Zugang zum sozialen Wohnungsbau des Landes erhalten.

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