Nachdem die Wirtschafts- und Finanzkrise auch am Sodawerk Staßfurt nicht spurlos vorübergegangen ist, blickt der größte Arbeitgeber der Stadt wieder optimistisch in die Zukunft. "Die Nachfrage nach Soda hat wieder angezogen, die Auslastung des Werkes liegt bei guten 85 Prozent", berichtete Geschäftsführer Ulrich Eichhorn im Volksstimme-Gespräch.

Staßfurt. Es sind nur noch wenige Stunden, dann kehrt im Sodawerk Staßfurt wieder Normalität ein. Nachdem Belegschaft und Management sechs Monate lang auf zehn Prozent ihres Einkommens verzichtet hatten, gibt es ab dem ersten November wieder volles Geld.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hatte auch um den mit 350 direkten Arbeitsplätzen größten Arbeitgeber der Stadt keinen Bogen gemacht. Fallende Sodapreise infolge einer sinkenden Nachfrage und steigende Energiekosten vor allem bei Gas hatten dem Unternehmen ein Sparprogramm verordnet. "Jetzt aber kommen wir wieder auf die Zielgerade", freut sich Geschäftsführer Ulrich Eichhorn über die auf das Sodawerk abfärbende allgemeine Konjunkturerholung: "Wir verkaufen wieder größere Mengen und haben einen guten Auslastungsgrad von 85 Prozent erreicht, den wir mit Blick auf das nächste Jahr in einer ähnlichen Größenordnung stabilisieren wollen."

Soda aus Staßfurt wird vorwiegend in der Glasindustrie verwendet, darüber hinaus auch in der chemischen, Seifen- und Waschmittelindustrie. Hauptabnehmer sind die großen Glaswerke in Sachsen-Anhalt unter anderem in Haldensleben, Osterweddingen und Gardelegen. Für das Sodawerk bedeutet diese Konstellation kurze Transportwege und damit gegenüber Wettbewerbern einen nennenswerten Kostenvorteil.

In diesem Jahr wird das Unternehmen bei einem Umsatz von etwa 100 Millionen Euro rund 510 000 Tonnen Soda verkaufen, berichtet Eichhorn. Für 2011 gehen die Planungen von 530 000 Tonnen aus.

Im nächsten Jahr soll zudem ein 15 Millionen Euro schweres Investitionsprogramm mit dem Ziel anlaufen, vor allem Energie- und Rohstoffkosten im Produktionsprozess zu senken und den Umweltschutz zu verbessern. Geplant ist unter anderem ein weiterer neuer Kalkofen, eine mustergültige Entstaubungsanlage sowie der Einbau von Hochleistungsfiltern.

Eine enge Zusammenarbeit verbindet das Sodawerk mit RWE bei der Schaffung von Untergrundspeichern. Der Energiekonzern investiert nur wenige hundert Meter vom Sodawerk entfernt rund 300 Millionen Euro in die unterirdische Speicherung von Gas in Kavernen, die durch die Solegewinnung für die Sodaproduktion entstanden sind.

Ursprünglichen Plänen zufolge sollen in den mehr als 500 Meter tiefen Hohlräumen einmal 450 Millionen Kubikmeter Gas unter hohem Druck gelagert werden. Mit dieser Menge könnten weit mehr als 200 000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang versorgt werden.

Vor diesem Hintergrund und konkreten Plänen, mit Natron stärker ins Pharmageschäft einsteigen zu wollen, sieht Eichhorn das Sodawerk "langfristig gut aufgestellt". "Wir schauen optimistisch in die Zukunft", betont der Geschäftsführer.

Eigentümer des Sodawerkes ist der polnische Ciech-Konzern, der im internationalen Chemie- und Pharmahandel aktiv ist und unter anderem Sodawerke in Polen betreibt. Der 1945 als Staatshandelsfirma gegründe Konzern weist einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro aus.