Sachsen-Anhalts Bauwirtschaft leidet unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Von Januar bis September setzte die Branche mit 1,995 Milliarden Euro zehn Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Anlässlich des 19. Bautages informierte der Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt gestern über die konjunkturelle Situation und die Stimmung in den Unternehmen.

Magdeburg. Von den Umsatzeinbrüchen waren alle Sparten betroffen, berichtete Verbandshauptgeschäftsführer Robert Momberg. Die größten Einbußen gab es im Wohnungsbau mit einem Minus von 16,4 Prozent. Im Wirtschaftsbau gingen die Umsätze um 7,5 Prozent zurück, im öffentlichen Bau um 9,9 Prozent.

Die halbjährliche Mitgliederbefragung des Verbandes spiegelt eine getrübte Stimmung im Bauhauptgewerbe wider: Zwei Drittel der Unternehmen sind demnach in diesem Jahr von sinkenden Umsätzen betroffen, bei 40 Prozent der Unternehmen hat sich die Ertragslage im Vergleich zu 2009 verschlechtert, nur 20 Prozent der Firmen melden eine Verbesserung. Momberg macht wenig Hoffnung auf eine schnelle Verbesserung der wirtschaftlichen Lage: "Der Bau reagiert als nachgelagerte Branche zeitverzögert auf den Wirtschaftsaufschwung, Konjunkturprogramme laufen aus, die Städtebauförderung wird zurückgefahren. Üppige Zeiten stehen uns nicht bevor."

Verbandspräsident Bernd Busse kritisierte, dass zudem Ein-Euro-Jobber den Bauunternehmen Konkurrenz machen. In Sachsen-Anhalt seien rund 7000 solcher Arbeitsgelegenheiten im baunahen Bereich angesiedelt. Beim Wegebau, auf Sportplätzen und Grünanlagen würden insbesondere Bauhöfe der Kommunen mit Hilfe öffentlich finanzierter Arbeitsplätze in Konkurrenz zu den privaten Bauunternehmen treten und Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt vernichten.

Kritik äußerte Busse auch an der Qualität öffentlicher Ausschreibungen sowie der Bewertung von Angeboten und der fachgerechten Überwachung des Bauablaufs. "Die Vergabestellen werden personell immer weiter ausgedünnt, und in den Verwaltungen sind immer weniger Baufachleute anzutreffen", so Busse. Eine gute Planung sei die Voraussetzung für eine reibungslose Bauausführung. Fehler in der Planungs- und Ausschreibungsphase müssten jedoch dann die Baufirmen tragen.

Nötig sei ein partnerschaftlicher Umgang zwischen Bauherren und Bauwirtschaft inklusive einer partnerschaft- lichen Risikoverteilung. In diesem Zusammenhang fordert der Verband auch die Einführung einer verbindlichen Stoffpreisgleitklausel. Das Risiko steigender Rohstoffpreise könne nicht allein der Bauwirtschaft aufgebürdet werden.

Auf dem 19. Bautag Sachsen-Anhalt wurde gestern in Magdeburg der mit 1000 Euro dotierte Preis der Bauindustrie vergeben. Er ging an Maik Wernecke und Christoph Becker von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie hatten sich in ihrer Masterarbeit mit der Verwendung von Schlacken aus Müllverbrennungsanlagen beschäftigt.

"Wir brauchen einen gut ausgebildeten Ingenieurnachwuchs, um die künftigen Bauaufgaben termingerecht und in hoher Qualität ausführen zu können", betonte Busse. Es komme darauf an, die besten Köpfe zu gewinnen. Die Immatrikulationen im Fachbereich Bauwesen der Hochschule Magdeburg-Stendal hätten wieder zugenommen.

   

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