Die Hoffnungsträger für den deutschen Aufschwung sind im neuen Jahr die Bürger selbst. Sie sollen fleißig konsumieren, damit der rückläufige Trend im Export ausgeglichen werden kann. Mit dem Weihnachtsgeschäft scheint ein guter Anfang gemacht. Überall in Deutschland waren am Wochenende die Einkaufsparks, Geschäfte, Restaurants und Parkhäuser voll. Auch in Sachsen-Anhalt sind die Einzelhändler zufrieden.

Berlin/Magdeburg (dpa). Die Bundesregierung bleibt bei den wirtschaftlichen Aussichten für 2011 optimistisch. "Es würde mich nicht überraschen, wenn die Zahlen noch besser werden", sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) der "BZ am Sonntag". Bisher geht die Regierung von einem Wachstum von 3,4 Prozent in diesem und einem immer noch hohen Zuwachs von 1,8 Prozent im nächsten Jahr aus.

"Die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Selbst der Sockel von Langzeitarbeitslosen geht erfreulicherweise zurück", betonte Brüderle. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rechnet sogar damit, dass das Wachstum 2011 "deutlich über zwei Prozent liegen" wird. "Ich denke, dass wir Ende 2011 das Niveau vor der Krise wieder erreicht haben werden", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Das Fundament fürs Wachstum sollen im neuen Jahr die Bürger selbst legen. Die Binnennachfrage werde spürbar an Fahrt gewinnen, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach einer Umfrage bei seinen Mitgliedsunternehmen. "Wir rechnen mit einem Plus von 2,4 Prozent beim privaten Konsum", sagte DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben der "Bild"-Zeitung. "Bei Unternehmen aus Gastgewerbe, Touristik und Einzelhandel laufen die Geschäfte spürbar besser – und der Optimismus nimmt weiter zu."

Rundweg positiv ist auch die Stimmung in Sachsen-Anhals Einkaufszentren: "Es ist wahnsinnig voll, es läuft super", sagte am Sonnabend eine Mitarbeiterin des Einkaufsparks NovaEventis an der Landesgrenze zu Sachsen mit rund 200 Geschäften und Restaurants.

Im Rathaus-Center Dessau-Roßlau war das Parkhaus mit mehr als 800 Stellplätzen ab 11 Uhr voll, wie Center-Managerin Henrike Lorenz sagte. Es lasse sich offenbar niemand vom Schnee abhalten von der Fahrt zum Einkaufen. Dieses Wochenende sei eines der stärksten der Adventszeit. Besonders nachgefragt seien Winterstiefel.

Auch in der Magdeburger Innenstadt war nur noch schwer ein Parkplatz zu bekommen. Der Geschäftsführer des Karstadt-Warenhauses, Rolf Lay, sagte: "Es ist das stärkste Wochenende im Advent."

Während die Binnennachfrage wächst, verliert der Export als bisheriges Zugpferd der deutschen Wirtschaft Prognosen zufolge an Kraft. Der Exportklimaindikator, den das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München monatlich für die "WirtschaftsWoche" berechnet, fiel im Dezember auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Dies war der siebte Rückgang in Folge. Wie das Magazin berichtet, legten die Auslandsaufträge im deutschen verarbeitenden Gewerbe zuletzt noch leicht zu. "Doch die Exporterwartungen der Unternehmen lagen schon im November deutlich unter dem Wert des Vormonats."

Bislang ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ungetrübt. Der am Freitag veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex ist im Dezember erneut gestiegen. Fast jeder zweite Deutsche (42 Prozent) glaubt an einen weiteren Aufschwung, ergab laut "Focus" eine Befragung der Universität Hohenheim im Auftrag des Versicherungskonzerns Allianz. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt schauen 30 Prozent positiv in die Zukunft – Anfang 2009 hatten sich noch 94 Prozent Sorge um die Jobs in Deutschland gemacht. Ihren eigenen Arbeitsplatz halten inzwischen sogar 60 Prozent für sicher. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet für 2011 im günstigsten Szenario mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 320 000, davon allein 140 000 Empfänger von Hartz IV, sagte Vorstandsmitglied Heinrich Alt.