In der Vorweihnachtszeit herrscht beim Internethändler Amazon emsige Betriebsamkeit. Bei der Warensortierung setzt das Unternehmen auf das System der "vollchaotischen Lagerhaltung".

Leipzig l So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit - für den Internethändler Amazon ist das Firmenpolitik. "Zu Umsätzen, die Zahl der Mitarbeiter und auch die Zahl der Paketsendungen kann ich leider keine Angaben machen", sagt Cavit Yilmaz, Niederlassungsleiter des Leipziger Verteilzentrums gleich zu Beginn vor Pressevertretern. Die Stadt Leipzig hatte für Journalisten einen Rundgang durch das einzige Verteilzentrum organisiert, das Amazon in den neuen Bundesländern betreibt. Eine Gelegenheit, die das öffentlichkeitsscheue Unternehmen nur selten einräumt. Immerhin bestätigt Yilmaz später indirekt Presseberichte, wonach knapp 1000 Beschäftigte im Verteilzentrum arbeiten.

Um den Mehraufwand der Bestellungen in der Vorweihnachtszeit bewältigen zu können, werden dann "etwa 2,5 bis knapp dreimal so viele Mitarbeiter befristet beschäftigt", so der Niederlassungsleiter. In Leipzig sind das immerhin 2500 Mitarbeiter. Bereits im Juni müsse die Suche nach den "Weihnachtsarbeitern" beginnen, damit die Schulung der Neuen bis November abgeschlossen sei. Yilmaz: "Wir setzen auf das Prinzip der Co-Worker. Der neue Mitarbeiter bekommt einen gestandenen Mitarbeiter an seine Seite gestellt und wird in den ersten Wochen auch direkt in der Nähe seines Co-Workers eingesetzt." Einen Teil der Saisonarbeiter übernehme Amazon. Wie viel und welcher Verdienst die Neuen erwartet, darüber schweigt Yilmaz.

Vor dem Werktor sagen Mitarbeiter später, dass Amazon in Leipzig größtenteils zwischen sieben und neun Euro Stundenlohn bezahle. Und sie sagen auch, dass Amazon besser sei als sein Ruf. Der hat kürzlich etwas gelitten. Die Agentur für Arbeit hatte Ende November einen Spiegel-Bericht bestätigt, wonach Amazon bundesweit für das Probearbeiten von tausenden Saisonkräften Fördermittel kassiert habe. Denn viele Saisonkräfte müssen überhaupt nicht mehr eingearbeitet werden, weil sie stetig alle Jahre wieder neu eingestellt werden. Das will die Agentur für Arbeit zukünftig nicht mehr zulassen.

Die Besuchergruppe blickt bei ihrem Rundgang in mehrere große Hallen. 70000 Quadratmeter, so groß wie elf Fußballfelder. In einer Halle arbeiten Frauen lang aufgereiht in Packzellen. In anderen Hallen stehen Hochregale, in denen Waren wie Mixer, Jeans oder Radiogeräte dicht an dicht stehen. Unsortiert. "Wir arbeiten nach dem Prinzip der vollchaotischen Lagerhaltung. Alles kommt da hin, wo Platz ist", erklärt Yilmaz. Jeder Artikel kann über einen Zahlencode gefunden werden. Mitarbeiter bewegen sich bei der Zusammenstellung von Bestellungen auf speziellen, vom Computer zusammengestellten Routen durch das Lager - das spart Wege und Zeit.

Neu bei Amazon in Leipzig ist seit diesem Jahr der Handel mit Lebensmitteln. "Und in einer eigenen Produktionsstrecke werden bei uns Bücher gedruckt und DVD hergestellt", so der Chef. Zwei neue Amazon-Verteilzentren eröffneten 2011 in Graben (Bayern) und Rheinberg (Nordrhein-Westfalen). Sechs Logistikzentren betreibt Amazon inzwischen bundesweit. Das Leipziger Verteilzentrum hatte 2006 eröffnet. Bekommen die Sachsen-Anhalter ihre Amazon-Pakete aus Leipzig? "Das kann sein, muss aber nicht. Aus welchem Lager die Sendung kommt, ist in erster Linie davon abhängig, welche Ware bestellt wurde." So könne es auch passieren, dass eine französische Bestellung von Leipzig aus bedient wird.