Sachsen-Anhalt mangelt es an Fachkräften. Darum setzen Unternehmen auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Die Anzahl der qualifizierten Bewerber ist jedoch in den vergangenen Jahren zurückgegangen.

Magdeburg l Wer seine Ausbildung erfolgreich abschließt, hat noch lange nicht die Garantie für eine Übernahme. Das geht zumindest aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der IG Metall hervor. Demnach werden zwei Drittel der Auszubildenden in der Metall- und Elektrobranche in Sachsen-Anhalt nur befristet oder gar nicht übernommen.

Trotz beklagten Fachkräftemangels bekommt der Nachwuchs in vielen Fällen also keine sichere Arbeitsstelle? "Das muss man sicherlich differenziert sehen", sagt Holger Klotzbach, Personalreferent beim Windanlagenhersteller Enercon in Magdeburg. "Ein befristetes Arbeitsverhältnis dient immer auch zur Orientierung für beide Seiten. Ziel ist es jedoch bei uns, den Auszubildenden später in eine unbefristete Stelle zu übernehmen." Derzeit bildet Enercon 70 Lehrlinge für die Fertigung aus. Zudem setzt das Energieunternehmen auf Weiterbildung der Mitarbeiter. "Qualifizierung ist das A und O. Unsere Mitarbeiter besuchen dazu auch am Wochenende Seminare." Mit der vorhandenen Belegschaft müsse intensiv gearbeitet werden.

Sinkende Bewerberzahlen und mangelnde Qualifikation sind Gründe, warum einige Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. "Die schulischen Leistungen lassen teilweise zu wünschen übrig", urteilt Rolf Wenzel, Ausbildungsleiter bei der Magdeburger Förderanlagen und Baumaschinen GmbH. Um bereits frühzeitig den eigenen Nachwuchs zu sichern, wirbt das Unternehmen bei Achtklässlern in Schulen für Ausbildungsberufe in der Metallbranche. "Wir wollen die jungen Menschen für den Beruf begeistern. Wer sich in der Schule bereits interessiert zeigt, hat später auch bei der Bewerbung bessere Chancen", sagt der Ausbilder.

Die eigenen Leute auszubilden, spiele eine wichtige Rolle, um den Pool an Fachkräften stets auffüllen zu können. Nach der Ausbildung werde der Nachwuchs zunächst für ein Jahr übernommen. Ob eine weitere Beschäftigung möglich ist, hänge auch von Auftragslage und vom Mitarbeiter ab, so Wenzel. Derzeit bildet das Unternehmen 38 Azubis in sieben Berufen aus. Besonders beliebt seien die Ausbildungen zum Konstruktions- und Industriemechaniker. Die Bewerberzahl insgesamt sei jedoch um etwa ein Viertel zurückgegangen.

Dass manche Ausbildungsberufe offenbar beliebter sind als andere in derselben Branche, berichtet Berit Lenze von der IFA Rotorion Holding GmbH in Haldensleben: "Wir suchen dringend Lehrlinge zum Zerspanungsmechaniker." Ihrer Ansicht nach sei der Beruf zu unbekannt. Viele Bewerber wüssten daher gar nicht von dieser Möglichkeit. Besonders bevorzugt möchte das Maschinenbauunternehmen weibliche Bewerber fördern und mehr Mädchen für die männerdominierenden Berufe ausbilden. Mit 1000 Mitarbeitern in Haldensleben, Irxleben und Gardelegen ist die IFA GmbH um eigenen Nachwuchs bemüht. "Wir wollen junge Menschen aus der Region hier halten und bieten darum auch eine Übernahmechance an. "Zunächst befristet, jedoch mit dem Ziel zur vollen Übernahme", betont die Pressesprecherin. "Die Befristung dient dazu, dass sich der Auszubildende in dem neuen Arbeitsumfeld zurechtfinden kann. Engagierte Mitarbeiter werden bei uns mit großer Sicherheit unbefristet übernommen." Den eigenen Nachwuchs längerfristig zu halten, stärke das Unternehmen. Die derzeit 61 Lehrlinge sollen laut Sprecherin zukünftig auf 100 aufgestockt werden.

Gute Erfahrungen habe man im Unternehmen mit dem dualen Studium - also der Ausbildung im Betrieb und an der Hochschule - gemacht. In den Bereichen Betriebswirtschaftslehre, Maschinenbau und Logistik werden Fachkräfte zu künftigen Führungskräften herangezogen.

Eine nachhaltige Personalpolitik fordert IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine aufgrund der eingangs erwähnten Studie von den Arbeitgebern. Ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis sei für die Fachkräftesicherung enorm wichtig.

Der Verband der Metall- und Elektroindustrie gab unterdessen an, dass 77 Prozent der Unternehmen ihre Lehrlinge in den vergangenen fünf Jahren unbefristet übernommen hätten.