Zum Wettbewerb um Arbeitskräfte gibt es viele Ideen. Einige wurden gestern in Magdeburg diskutiert. Eingeladen hatte megalearn Die Akademie. Die Bildungsfirma feierte ihren 10. Geburtstag.

Magdeburg l "Der Kampf um Arbeitskräfte entbrennt", sagte Sozialminister Norbert Bischoff (SPD), davon profitierten viele, die bisher kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz hatten, zum Beispiel jene, die nicht so gut in Mathe sind. Die Unternehmen sollten ihnen nun die Möglichkeit geben, sich zu qualifizieren und in der Praxis zu beweisen. Außerdem pochte Bischoff auf bessere Arbeitsbedingungen, damit die Arbeitsausfälle durch Burnout minimiert werden. "Immer mehr Beschäftigte fühlen sich wie im Hamsterrad."

Der Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt und regiocom-Geschäftsführer Klemens Gutmann sieht das etwas anders. "Für technische Berufe wird mathematisches und technisches Grundwissen gebraucht. Der Fachinformatiker zum Beispiel ist ein mathematischer Beruf, da wird es mit Bewerbern dünn", so Gutmann. Burnout ist für den Arbeitgeberpräsidenten "eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird". Arbeitsverdichtung sei eine Folge des globalen Wettbewerbs. Jeder Unternehmer fühle sich hin und wieder am Rande des Burnouts.

Auch die Diskussion, dass Firmen höhere Gehälter zahlen müssten, um Arbeitskräfte zu halten oder zu bekommen, findet Gutmann überzogen. Firmen, die gut aufgestellt seien, zögen auch von außerhalb Fachkräfte an, siehe regiocom. Die IG-Metall-Kritik, dass zwei Drittel der Azubis in der Metall- und Elektrobranche trotz guter Abschlüsse nicht oder nur befristet übernommen werden, lässt Gutmann ebenfalls nicht gelten: "Wir haben andere Zahlen. Es bleiben viel mehr in den Betrieben."

Klaus Olbricht, Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, nannte die Stipendieninitiative mit Kammern, Hochschulen und Universität eine Möglichkeit, um junge Leute frühzeitig an Unternehmen zu binden. Aber die Studenten hätten wohl mehr Geld als gedacht, mutmaßte Olbricht. "Wir haben mehr Stipendien als Bewerber."

Olbricht findet es wichtig, den Arbeitsmarkt für über 65-Jährige zu entwickeln, die fit sind und sich gern in der Gesellschaft nützlich machen und etwas dazuverdienen wollen. Außerdem sei es nötig, viel mehr Fachkräfte aus dem Ausland reinzuholen.

Kay Senius, Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, fragte die Wirtschaft, ob man weiter steigende Zahlen von Minijobs wolle oder lieber Anstellungsverhältnisse, die auskömmliche Einkommen und Rentenansprüche ermöglichen. Arbeitsagenturen und Jobcenter müssten in eine anspruchsvollere Falldiagnose investieren, nicht nur Defizite bearbeiten, sondern Talente weiterentwickeln. Außerdem müssten Schulbildung und Berufsorientierung verbessert werden. "Wir dürfen nicht mehr Geld auf Probleme werfen, sondern brauchen mehr Prävention", betonte Senius angesichts knapper werdender Mittel. Meinung