Das Baugewerbe in Sachsen-Anhalt sieht dem kommenden Jahr "verhalten optimistisch" entgegen. 2011, so schätzt der Arbeitgeberverband die Lage ein, "war ein tendenziell gutes Jahr".

Magdeburg l Der Wohnungsbau in Sachsen-Anhalt war in diesem Jahr eine Stütze des hiesigen Baugewerbes - und wird es in den kommenden Monaten wohl auch bleiben. Stabil hohe Umsätze, unverändert hohe Auftragseingänge und Baugenehmigungen, deren Zahl deutlich über dem Vorjahr liegt - die Auftragsbücher der hierzulande vielen kleinen Baubetriebe werden zu einem großen Teil von Häuslebauern gefüllt.

"Das Baujahr 2011 war für uns ein tendenziell gutes Jahr", zog der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbe-Verbandes Sachsen-Anhalt, Giso Töpfer, im Volksstimme-Gespräch eine Bilanz. Hier habe sich insbesondere der Wohnungsbau hervorgetan, der für die Bauunternehmen traditionell ein wichtiger Auftraggeber ist.

Im Baugewerbe-Verband Sachsen-Anhalt sind rund 400 Baubetriebe mit insgesamt 4000 Beschäftigten organisiert.

Auf Basis der Oktoberzahlen legten die Umsätze im Mehrfamilien- und Einfamilienhausbau in Sachsen-Anhalt im Vergleich zum Vorjahr um 22,4 Prozent zu, die Auftragseingänge um 39,5 Prozent. Auch die Zahl der Baugenehmigungen habe deutlich über dem Vorjahr gelegen, erläuterte Töpfer. Dies gelte vor allem für Mehrfamilienhäuser, wo die positiven Bescheide mit plus 87 Prozent regelrecht explodierten. Die Anzahl der von den Ämtern genehmigten Neubauwohnungen schoss um 80 Prozent empor.

Diese Zahlen seien vor allem das Resultat der derzeitigen schwierigen wirtschafts- und finanzpolitischen Großwetterlage, erklärte Töpfer. Inflationsängste, die Suche nach nachhaltigen Kapitalanlagen sowie günstige Zinsen ließen die Verbraucher zunehmend nach Immobilien Ausschau halten. Vor diesem Hintergrund erwartet der Baugewerbe-Verband auch für das kommende Jahr zumindest im Wohnungsbausektor eine anhaltend positive Entwicklung.

Dagegen sei die Situation im Wirtschaftsbau, der mit einem Anteil von 70 Prozent den größten Anteil am baugewerblichen Gesamtumsatz ausmacht, wesentlich differenzierter, merkten Töpfer und der Geschäftsführer des Verbandsbereichs Betriebswirtschaft, Bernd Deidok, an. Während beim gewerblichen und industriellen Hochbau die Umsätze gesunken und die Auftragseingänge gestiegen seien, habe sich diese Entwicklung etwa beim Straßenbau in den vergangenen Monaten genau umgekehrt. Für 2012 wollen sich die Arbeitgeber für diese Bereiche nicht auf eine eindeutige Prognose festlegen. "Die Aussichten sind ungewiss", sagte Töpfer. Angesichts des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes gehe man eher von einer rückläufigen Entwicklung aus.

Eindeutig negativ seien die Erwartungen im Hinblick auf den öffentlichen Hochbau. Allein in diesem Jahr seien per Oktober die Umsätze im Jahresvergleich um sieben Prozent gesunken und die Auftragseingänge um fast 40 Prozent eingebrochen. Angesichts der leeren öffentlichen Kassen sei keine Besserung in Sicht.

Immer noch nicht verflogen ist der Ärger der Bauarbeitgeber über das geplante Vergabegesetz. Zwar sei mit der nun vorliegenden Fassung "das Schlimmste verhindert" worden, sagte Töpfer unter anderem mit Blick auf den von der SPD zunächst als ein Vergabekriterium vorgesehenen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Aber immer noch sei der Gesetzentwurf "handwerklich unausgegoren", monierte er.

Als Beispiel nannte er die Verpflichtung, dass Unternehmen bereits bei der Angebotsabgabe ihre Subunternehmen benennen sollen. "Das ist realitätsfern", kritisierte Töpfer. Üblicherweise würden Kontrakte mit Nachauftragnehmern erst nach einem Zuschlag geschlossen. Er wünsche sich ein "Fachgesetz" wie in Sachsen, das funktioniere und nicht politisch motiviert sei.