New York (dpa) l Eigentlich sollten in Frankfurt und New York zum Jahresende die Sektkorken knallen. Doch es will nicht recht klappen mit der geplanten Megabörse.

Schon zweimal mussten Deutsche Börse und NYSE Euronext nachbessern, um die Kritik der Brüsseler Wettbewerbshüter doch noch zu entkräften. Die hessische Börsenaufsicht droht mit ihrem Veto gegen den Zusammenschluss, sollten die Belange des Finanzplatzes Frankfurt unter die Räder kommen. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni stellte klar: Eine Fusion um jeden Preis wird es nicht geben. Mancher Experte hält ein Scheitern der Pläne gar für die bessere Variante.

Die Brüsseler Wettbewerbshüter befürchten vor allem eines: Dass die weltgrößte Börse Monopolist im europäischen Derivatehandel wird. Der Handel mit solchen Finanzprodukten, mit denen man auf künftige Kurse wetten und sich gegen Kursverluste absichern kann, ist eines der Filetstücke der Börsenbetreiber auf beiden Seiten des Atlantiks.

Für die Aktionäre, die sich mit großer Mehrheit hinter das Milliardenprojekt stellten, dürfte sich eine Fusion auszahlen. Die Unternehmen haben unter anderem mittelfristig Kostensynergien von 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Für die Deutsche Börse könnte ein Scheitern der Pläne unter Umständen die bessere Option sein, meint Dirk Becker, Analyst bei Kepler. Angesichts neuer Banken- und Finanzmarktregeln ("Basel III", "MiFID II") müsse enormes Handelsvolumen aus dem außerbörslichen Derivatehandel von Banken (OTC) über kurz oder lang auf regulierte Handelsplätze überführt werden. "Wenn sich die Börse ins Zeug legt und die regulatorischen Änderungen für sich nutzt, dann erschließen sich da sehr gute Wachstumsmöglichkeiten", ist Becker überzeugt.

Die Chancen für eine Zustimmung der EU-Kommission stehen nach Einschätzung von Experten 50:50. Bis zum 9. Februar 2012 - und damit fast drei Wochen länger als zuletzt vorgesehen - nimmt sich die EU-Kommission nach den jüngsten Zugeständnissen Zeit, die Fusionspläne zu prüfen. Stimmen die EU-Wettbewerbshüter dem Deal zu, ist die hessische Börsenaufsicht am Zug. Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), dessen Ministerium die Aufsichtsbehörde für den Handelsplatz Frankfurt ist, hatte jüngst "börsenrechtliche Bedenken" angemeldet.

In Hessen hält sich die Sorge, dass die Deutsche Börse letztlich als Juniorpartner der ehrwürdigen Wall Street endet und der Finanzplatz Frankfurt unter die Räder kommt.