Der Untergang der WestLB ist beschlossen. Damit verringert sich Mitte kommenden Jahres die Zahl der Landesbanken von acht auf sieben. Ein großer Wurf ist das aber nicht. Der Druck zu Veränderungen nimmt zu.

Düsseldorf (dpa) l Erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor mehr als vier Jahren verschwindet eine große Bank in Deutschland von der Bildfläche. Die WestLB, einst das Flaggschiff der Landesbanken, wird zerschlagen. Der Abriss in Düsseldorf ist eine Folge von Fehlinvestitionen, Milliardenverlusten und Beihilfen. Andere Landesbanken, die ebenfalls in der Finanzkrise gestützt werden mussten, können zwar weitermachen. Aber auch in Hamburg, Stuttgart und München sind tiefe Einschnitte vorgezeichnet. In der Sparkassen-Finanzgruppe gibt es damit viele Baustellen, aber keinen Masterplan.

"Die Zeit, in der jedes Land seine Landesbank haben musste, ist abgelaufen. Deshalb sind Investitionen in den Umbau allemal besser angelegt als weitere teure Finanzspritzen für einen zeitlich begrenzten Fortbestand ohne überzeugendes Geschäftsmodell, wie andere es versuchen." Diese schonungslose Einschätzung kommt nicht von einer Ratingagentur oder Bankanalysten, sondern von Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Trotz aller Anläufe in der Sparkassen-Finanzgruppe und Beteuerungen von Ministerpräsidenten, Zusammenschlüsse voranzubringen, hat sich bisher relativ wenig getan.

Nur die Sachsen LB kam zu Beginn der Finanzkrise notgedrungen unter das rettende Dach der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Später wurden Fusionsgespräche zwischen der BayernLB und WestLB frühzeitig von München abgebrochen. Mit der aktuell geplanten Übernahme des Sparkassengeschäftes der WestLB durch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nimmt die Neuordnung im Landesbankenbereich nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums wieder Fahrt auf. "Nur bei weiterer Konsolidierung ist der Sektor langfristig stabil", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Kampeter schon vor Tagen.

Allerdings spiegeln die langwierigen und zähen Bemühungen der WestLB-Eigentümer um einen Partner für die nordrhein-westfälische Landesbank auch die Breite der Hindernisse und Nachteile wider. Keine Landesbank möchte sich neue Risiken durch eine Hochzeit ins Haus holen. Zumal schiere Größe längst nicht mehr als Ziel oder Vorteil gilt. Eher könnten sich die Refinanzierungsmöglichkeiten einengen, weil die Geldgeber zu viel Risiko bei dann nur noch einem Kunden vermuten. Für Fusionen müsste zudem der Wert der beteiligten Landesbanken festgestellt werden und das Ergebnis könnte bitter sein.

Das Brüsseler Machtwort im Fall WestLB erhöht den Druck auf die Landesbanken, den eigenen Umbau voranzutreiben. "Nun ist das Exempel statuiert, dass man eine Bank notfalls auch zur Abwicklung zwingt", sagt Dirk Müller-Tronnier vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst Young. "Damit sind auch die anderen Institute in der Pflicht, Fortschritte bei der Restrukturierung zu erzielen." Der Bankenexperte hält statt Zusammenschlüssen von Landesbanken eine Spezialisierung der Institute für wahrscheinlicher. "Der allgemein verschärfte Druck macht es nicht leichter, Universalanbieter zu sein." Kernfrage für die Eigentümer müsse sein: "Wie kriege ich eine rentable Bank hin?"

Auf bessere Zeiten brauchen die Landesbanken nicht zu hoffen: Aufseher verlangen dickere Eigenkapitalpolster, der Ratingriese Moody\'s macht mit schlechteren Bonitätsnoten Stress. Die Sparkassen als Miteigentümer zahlen bei mancher Landesbank drauf: Für die Rettung der BayernLB sollen sie nachträglich 1,5 Milliarden Euro berappen. Sogar die lange als "schöne Braut" gefeierte Landesbank Berlin (LBB) brockte den Sparkassen eine Abschreibung von 850 Millionen Euro ein.